Leserbriefe : Bildung ist der Schlüssel zum Erfolg

„Turners Thesen: Mehr Studierende

brauchen wir nicht“ von George Turner

vom 8. Oktober

Der jüngste OECD-Bildungsbericht hat gezeigt, dass in Deutschland der Anteil der 25- bis 34-Jährigen mit einem akademischen Abschluss heute nur bei 22 Prozent liegt und damit sogar niedriger ist als noch vor drei Jahrzehnten. Unter den 30 OECD-Ländern ist Deutschland damit von Rang 10 auf Rang 22 zurückgefallen. Herr Turner aber meint: „Mehr Studierende brauchen wir nicht.“ Selbst das Ziel der großen Koalition, den Anteil der Studienanfänger von 36 auf 40 Prozent zu erhöhen, hält er für verfehlt. Dabei müsste der Anteil auf über 60 Prozent ansteigen, wollte Deutschland zu den Top Ten der OECD-Länder aufzuschließen.

Statt sich ernsthaft mit den Befunden auseinanderzusetzen, diffamiert Herr Turner international renommierte Bildungsforscher als verblendete Bürokraten, die es zu stoppen gelte. Dabei sollte er wissen, dass die OECD-Bildungsstatistik nicht das Werk einzelner Experten ist, sondern eine vielfach abgestimmte Arbeit des OECD-Sekretariats mit den Mitgliedsländern. Auch wird in der Organisation wie in den allermeisten Mitgliedsländern die Analyse geteilt, dass in den Industrieländern auch in Zukunft mehr Hochqualifizierte gebraucht werden und dass Länder Wohlstandseinbußen befürchten müssen, wenn sie diesen Bedarf nicht befriedigen.

Diese Aussage gilt auch und gerade für Deutschland, trotz der unbestreitbaren Verdienste des dualen Systems. Die OECD-Zahlen zu zunehmenden Einkommensvorteilen und zur geringeren Arbeitslosigkeit von Akademikern lassen kaum andere Schlüsse zu – zumindest dann nicht, wenn Deutschland weiterhin mit Spitzentechnologie und nicht durch Lohndumping auf dem Weltmarkt erfolgreich sein will.

Heino von Meyer, Leiter

des OECD Berlin Centre, Berlin-Mitte

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