Leserbriefe : Bio sind nicht nur Ölpalmen

„Biodiesel heizt Klimawandel an“

vom 8. Februar 2008

Beim Thema Bioenergie erhitzen sich die Gemüter schnell. Ein Teil des EU-Klimapakets und der Klimastrategie der Bundesregierung setzt auf Biokraftstoffe. Die Idee klingt bestechend: Nur so viel CO2 wird verbrannt, wie zuvor beim Pflanzenwachstum der Atmosphäre entzogen wurde. Unterdessen melden sich jedoch Wissenschaftler zu Wort und ernüchtern die Vorstellung von einer klimaneutralen Mobilität. Ist nun der, der sein Auto mit Biosprit betankt, auf einmal ein Klimasünder?

Ganz so einfach ist die Frage nicht. Es kommt nämlich ganz darauf an, woher die verwendete Biomasse stammt und wie sie verarbeitet wird. In der Tat ist der Anbau von Ölpalmen auf gerodeten Urwaldflächen ziemlich klimaschädlich. Erst nach vielen Jahrzehnten Anbaukultur ist das einmal frei gewordene Kohlendioxid wieder kompensiert. Doch Palmöl hat in Europa als Energierohstoff kaum Bedeutung. 90 Prozent des importierten Öls gehen in die Produktion von Lebensmitteln und Kosmetik.

In puncto Nachhaltigkeitsbilanz des Biosprits brauchen wir sicherlich mehr Transparenz. Niemand will, dass Regenwälder abgeholzt und Nahrungsmittel knapp werden, damit die westliche Hemisphäre weiter Vollgas geben kann. Die geplagte deutsche Landwirtschaft hat indes genug Kapazitäten, um vier Fünftel des Rohmaterials für deutschen Biodiesel herzustellen. Hierfür werden auch sogenannte Grenzertragsflächen reaktiviert, die zuvor brachlagen.

Biodiesel aus deutschem Raps zerstört keine Wälder. Zudem weist er eine positive Klimabilanz auf: Das Bundesumweltministerium hat für 2006 berechnet, dass der Einsatz von Bioenergie im Strom-, Wärme- und Kraftstoffbereich insgesamt 49 Millionen Tonnen CO2 eingespart hat (BMU, 2007: Erneuerbare Energien in Zahlen)! Bei der Berechnung der Klimabilanz geht es um die ganze Prozesskette mit vorgelagerten Elementen wie Transport, Herstellung etc. Bei fossilen Brennstoffen fällt diese zwangsläufig negativ aus. Effizient hergestellter Biosprit kann hingegen zu beträchtlichen Einsparungen führen.

An einer Energiewende führt kein Weg vorbei, wenn wir unsere Mobilität erhalten wollen. Dazu brauchen wir in erster Linie mehr Effizienz. Daneben muss der Energiemix perspektivisch postfossil sein. Bioenergie kann ein Teil dieser Gesamtstrategie sein. Sie ist anders als viele Alternativen schon heute verfügbar und mildert zudem die ungesunde Abhängigkeit vom Öl.

Markus Becker, Berlin-Friedrichshain

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