Leserbriefe : Brave Kinder haben oft Probleme

„Kinderarmut – Nur arm oder auch arm dran?“ von Ursula Weidenfeld

vom 18. November

Dass das Geld bei armen Familien oft nicht reicht ist, ist natürlich ein Problem, aber die Autorin bringt es auf den Punkt: Es geht vor allem um Verwahrlosung, Vernachlässigung, Verslumung! Armut wird vererbt, das ist mittlerweile bekannt. Deshalb müssen wir endlich alles daran setzen, den Kindern aus armen Familien, um die sich keiner kümmert, eine Chance zu geben. Wenn schon die Eltern nicht bereit oder in der Lage sind, ihre Kinder zu fördern, dann muss das endlich die Gesellschaft tun. Auch wenn es Geld kostet!

Christian John , Berlin-Buckow

Dieser Artikel ist – unter Gender-Aspekten betrachtet – zu beanstanden. Ich beziehe mich mit meiner Kritik auf den letzten Absatz des Artikels, insbesondere den Satz: „Oder indem Kindergärtnerinnen und Lehrerinnen sich von Beginn an nicht nur um die braven kleinen Mädchen, sondern auch um die bösen kleinen Jungen von der Straße bemühen“.

Im Westteil der Stadt spricht man seit mindestens 30 Jahren oder länger von Erziehern und Erzieherinnen, es gibt Lehrer und Lehrerinnen, Mädchen sind nicht immer brav und Jungen nicht immer böse. Zudem kann ich als (ehem.) Erzieherin sagen: Es sind gerade die „braven“, stillen Mädchen und Jungen, die man oft übersieht und um die man sich auf Kosten der lauten und auffälligen Kinder zu wenig kümmert. Leider haben brave Kinder aber oft große Probleme und das „Bravsein“ ist leider nicht immer Ausdruck dafür, dass alles in Ordnung ist. Es sind auch nicht immer die Frauen, denen man alle Versäumnisse in der Kindererziehung anlasten sollte, nur weil sie sich rund um die Uhr und beruflich um die Kinder kümmern, sondern, die Abwesenheit der Männer und Väter und auch ein schlechtes Vorbild (z. B. aggressiver Vater) ist ein großes Problem, welches erstaunlich oft unter den Teppich gekehrt, ja offenbar nicht einmal wahrgenommen wird.

Margot Winkler, Berlin-Moabit

0 Kommentare

Neuester Kommentar