Leserbriefe : Brehms Tierleben in Berlins Schulen

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Betrifft: „Zu viel Dreck – 700 Schüler nach Hause geschickt“ vom 28. Februar und „Putzen lassen ist gut, Kontrolle ist besser“ vom 1. März 2004

Tiere wie Igel und Kängurus gewinnen in der schulpolitischen Landschaft immer mehr an Bedeutung und sollen die Schülerinnen und Schüler nach dem Pisaschock aus der Bildungsmisere führen. Bald kommen auch noch Kakerlaken, Milben und Spinnen hinzu, damit in den Schulen ein geregeltes Brehmsches Tierleben entstehen kann.

Im März 2003 wurden an der GesundbrunnenGrundschule endgültig die beiden bezirkseigenen Reinigungskräfte eingespart. Vorher war die Schule Vorzeigeobjekt für großflächige und effektive Reinigung, wozu auch die Anschaffung von teuren Reinigungsmaschinen beitrugen. Die Maschinen verrotten im Keller, Berlin ist ja finanziell so betucht. Selbstverständlich wurde auch ein Fernsehfilm angefertigt, um das Reinigungsszenarium bundesweit auszustrahlen.

Eingaben bei der Bezirksverordnetenversammlung und der zuständigen Stadträtin halfen nicht, die Reinigung wurde privatisiert. Die Abschiedstränen sind bis heute noch nicht beseitigt, da die Reinigungsfirma bereits im Vorfeld eindeutig klarstellte, dass die Schule mit 50 Prozent Abstrichen bei der Sauberkeit rechnen müsse. Ein Klassenraum wird heute in zwei Minuten „gereinigt“. Seit Jahren habe ich dem Schulträger den Vorschlag unterbreitet, den Schulen das Geld für die Reinigung in Eigenverantwortung zur Verfügung zu stellen. Leider ohne Erfolg und Resonanz bei den Verantwortlichen.

Harry Fischer, Rektor der

Gesundbrunnen-Grundschule, Berlin-Mitte

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