Leserbriefe : BVG-Reform ohne klare Linie

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„Nachteile für Ältere und Behinderte“ vom 8. Dezember 2004

In einem von der so genannten Angebotsoptimierung betroffenen Gebiet lebend muss ich doch die Kälte des neuen Konzepts beklagen. Uns hier im Kreuzberger Gebiet des SpringProjekts (Neuenburger-/Alexandrinen-/Franz-Künstler-/Alte Jakobstr. und angrenzende Straßen) wird die Buslinie 248 nun komplett genommen, nachdem sie in den vergangenen Reformen schon hatte leiden müssen. Hier sind die Einkaufsmöglichkeiten sehr begrenzt, es leben viele ältere, zum Teil behinderte Menschen hier, die auf ihren Wegen zum Arzt, zum Einkaufen, zur Teilhabe am öffentlichen Leben überhaupt auf einen funktionierenden öffentlichen Personennahverkehr angewiesen sind.

Die U-Bahnhöfe sind weit entfernt, ebenso die Oranienstraße – und dort gibt es auch nur Aldi. In der Lindenstr. soll zwar der neue Bus 260 fahren, aber nichts Genaues weiß der betroffene Bürger bis heute nicht. Wer kümmert sich?

Michael Ertelsberger, Berlin-Kreuzberg

Trotz der großartigen Ankündigung, die BVG-Kunden über das neue Liniennetz zu informieren, musste ich die Erfahrung machen, dass ich weder über Faltblätter, noch über das Telefon (ständig besetzt, auch abends), noch über das Internet, geschweige denn direkt an den Bushaltestellen Informationen über Bus- und sonstige Linien erhalten habe. Für den größten öffentlichen Nahverkehrsanbieter der Welt in einer Weltstadt ist das ein Armutszeugnis. Das zeugt von keiner Dienstleistungsmentalität. Aber gleichzeitig steigen ständig die Fahrpreise. Wofür eigentlich?

Erio Alexander Tsuchiya, Berlin-Zehlendorf

„Schelte für herzlose Busfahrer“ vom 9. Dezember 2004

Mitverantwortlich sind auch die meist schweigenden und/oder untätigen und oft übel gelaunten Fahrgäste! Mit mehr Anteilnahme und Zivilcourage würden sie den Fahrer schelten. Als ich einmal einem Rollstuhlfahrer durch die Mitteltür in den 148er helfen wollte, musste ich laut um Mithilfe bitten und zweitens darum, für den Behinderten ein wenig Platz zu machen. Die Gesichter sprachen eine deutliche Sprache. Letztes Jahr fuhren wir in New York (Harlem) mit dem Bus. An einer Haltestelle wartete eine Frau im Rollstuhl. Der Busfahrer sah sie, hielt an, stellte den Motor ab, stieg aus, montierte eigenhändig eine Rampe an der hinteren Türe, schob den Rollstuhl in den Bus und befestigte ihn. Der Busfahrer war weiß, die behinderte Dame schwarz. No problem!

Julia Wiesinger, Berlin-Friedenau

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