Leserbriefe : Canossa ist Geschichte

„Kardinal Meisner: Merkel soll sich entschuldigen“ vom 28. März

Bevor Meisner eine Entschuldigung für die „Papstschelte“ von der Bundeskanzlerin fordert, sollte er sich lieber vor der Weltöffentlichkeit für die Mitschuld der Kirche am Elend dieser Welt entschuldigen. Die „Papstschelte“ seitens der Bundeskanzlerin war in jeder Hinsicht korrekt und angemessen.

Volkmar Marschall,

Frankfurt am Main

Die Forderung von Kardinal Meisner, Bundeskanzlerin Angela Merkel möge sich beim deutschen Papst für ihre größte Fehlleistung entschuldigen, weil Sie ihn im Zusammenhang mit seiner Teilrehabilitierung des Pius-Bischofs Richard Williamson kritisierte, ist absolut unangebracht.

Es war angesichts des Holocausts an den Juden sogar die heiligste Pflicht einer deutschen Bundeskanzlerin, einen Holocaust-Leugner und seinen obersten Fürsprecher, Papst Benedikt XVI., öffentlich dafür zu schelten. In ähnlicher Form würde sie wohl auch reagiert und protestiert haben, wenn Frau Dr. Merkel die Verbrechen der katholischen Kirche gegen die Menschlichkeit im Mittelalter hautnah erlebt hätte: Christianisierungen mit dem Schwert, die Kreuzzüge, Antisemitismus, die Heilige Inquisition, die Folter, die Hexenverbrennungen, öffentliche Hinrichtungen von Andersdenkenden und Andersgläubigen, den Dreißigjährigen Krieg gegen die reformatorischen Kirchen und, und, und …

Und das ist gut so. Wir leben schließlich Gott sei Dank nicht mehr im 11. Jahrhundert, wo sie den Gang nach Canossa hätte antreten müssen, um Abbitte zu leisten.

Kardinal Meisner möge sich doch bitte zukünftig auf die Kernbotschaft unseres Herrn Jesus Christus konzentrieren und beschränken, die lautet: „Liebet einander, so wie ich euch geliebt habe.“

Roland Klose,

Bad Fredeburg/Hochsauerland

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