Leserbriefe : Chic und schick

„Kein Ort mit Chic“ von Pascale Hugues vom 27. März

Die Möglichkeit, dass Madame Hugues’ feine Pariser Ohrringe in Berlin nicht voll zur Geltung kommen könnten, hat mich entsetzt. Alle Nachrichten über das, was in der Welt sonst noch so passiert, schnurrten angesichts dieser erneuten teutonischen Barbarei zu Petitessen zusammen. Der Leidensdruck eines durch Abwesenheit von Chic in Berlin verdorbenen Nachmittags ist wohl enorm.

Ja, alles, was Madame Hugues sagt, stimmt. Berlin ist kein Ort mit Chic. Es ist trotzdem lange her, dass ich jemanden so deutlich „Ich bin etwas Besseres als ihr“ habe sagen hören. An sich hat so etwas zu sagen immer als wenig stilvoll gegolten. Aber als Berliner kann ich mir zu Stilfragen wohl einfach kein fundiertes Urteil erlauben.

Florian Dieckmann, Berlin-Friedenau

Frau Hugues, Sie sollten Ihre Ohrringe nicht „vorführen“ wollen, das geht immer schief. Der Effekt könnte sein wie bei den „brillantbeladenen Fingern“. Die Berliner sind lässig und haben keine Angst davor, „overdressed“ zu sein. In Prenzlauer Berg, Schöneberg und den Ku’damm-Seitenstraßen finden Sie die Cafés, in denen Ihre schönen Ohrringe mit einem kleinen, freundlichen Blick registriert und mit einem zarten Lächeln quittiert werden. Wer ins Adlon geht, hat selber Schuld. Wir lieben jeden Chic, besonders wenn er aus dem guten alten Paris kommt, wir haben ihn schließlich erfunden. Sie wissen sicher, dass das französische Wort Chic eine Entlehnung aus dem Deutschen ist. Die französischen Besatzer haben „schick“ adaptiert! Da wir alles anbeten, was aus Paris kommt, haben wir das Wort rückentlehnt.

Christa Kließ, Berlin-Wilmersdorf

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