Leserbriefe : Christliche Feiertage abschaffen

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Betrifft: „Clement rudert zurück“ im Tagesspiegel vom 19. Juni 2003

Es macht viel Sinn, zur Verbesserung des Wirtschaftswachstums die Anzahl der Feiertage zumindest auf das international übliche Maß zu reduzieren, wofür ja sogar laut neuester Umfrage die meisten Deutschen sind. Jedoch sollte nicht nur die Quantität, sondern zugleich auch die Qualität verändert, verbessert werden. Es sollten endlich die vielen spezifisch christlichen Feiertage gestrichen werden, die nur von einer sehr kleinen Minderheit wirklich gemäß ihrer Bedeutung gefeiert werden, während viele andere – verständlicherweise noch nicht einmal den genauen Sinn dieser Feiertage kennen und auch von daher diese Tage völlig anders verbringen, als die Kirchen sie ursprünglich geplant hatten.

Außerdem: Deutschland ist kein christlicher, sondern ausdrücklich ein „weltanschauungsneutraler“ Staat. Dennoch werden höchst ungerechterweise von den ca. 4000 – religiösen wie nichtreligiösen – Weltanschauungen vom Staat her nur der christlichen Religion arbeitsfreie Feiertage zugestanden, was gemäß Grundgesetzartikel 4 verfassungswidrig und nach Art. 9 der europäischen Menschenrechtskonvention menschenrechtswidrig ist, welche jegliche Bevorzugung oder Benachteiligung irgendeiner Weltanschauung strikt untersagen!

Da es nun aber faktisch nicht möglich ist, auch für alle anderen Weltanschauungen gleichermaßen Feiertage zu schaffen, darf es logischerweise für keine Weltanschauung Feiertage geben (nur dies wäre „neutral“)!

Sehr sinnvoll wäre aber zum Beispiel ein gemeinsamer Feiertag für alle (!) Weltanschauungen zusammen (z.B. „Tag der Weltanschauungen“), an dem die Wichtigkeit und die gleichberechtigte Vielfalt der Weltanschauungen bedacht, ausdrücklich bejaht und gefeiert werden können.

Reiner Moysich, Karlsruhe

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