Leserbriefe : Das Bild vom Mann

„Das Böse im Mann / Wer die Verbrechen des Josef Fritzl verstehen will, sollte einen Blick auf die Biologie werfen“ von Bas Kast vom 11./12. Mai

Männer vergewaltigen Frauen, Männer schotten Frauen von Konkurrenten ab und legen ihnen Keuschheitsgürtel an. Schuld daran, so Bas Kast, sind die Gene. Denn jeder Mann will sein Erbgut mit maximalem Erfolg weitervererben. Die absurde Schlussfolgerung lautet: Ein bisschen Josef Fritzl steckt in jedem Mann.

Ich bezweifle diese Argumentation. Die unterschiedliche soziokulturelle Prägung von Männern in verschiedenen Gesellschaften wird nicht einmal erwähnt. Wünscht sich „der Mann“ wirklich eine Jungfrau zur Hochzeit? Oder spielen dabei nicht zumindest kulturelle Prägungen eine Rolle? Kategorien wie „das Böse“ sind kulturell definiert. Gene haben keine Moral. Das Bild vom gengesteuerten Mann ist eine Ideologie, die im Text nirgendwo untermauert wird. Es bleibt allein bei der Annahme, der Mann wolle seine Gene maximal weitervererben.

Dagegen spricht schon allein ein ganzer Industriezweig. Menschen geben ein Heidengeld dafür aus, dass sie ihre Gene nicht weitervererben und „verhüten“. Auch weitere Gegenbeispiele entkräften Ihre Argumentation: Es gibt Männer, die Kinder adoptieren. Es gibt funktionierende Patchwork-Familien. Es gibt Männer, die sich sterilisieren lassen. Es gibt Menschen, die gar keine Kinder haben wollen. Es gibt Homosexuelle, denen die Vererbung ihrer Gene nicht wichtig erscheint. Ich bin ebenfalls dagegen, Fritzl zum Monster zu stilisieren. Ich bin aber auch dagegen, Ihr Männerbild für bare Münze zu nehmen.

Alexander Karasek, Berlin-Karlshorst

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