Leserbriefe : Das Brustkrebsrisiko in der Studie ist minimal

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Betrifft: „MedikamentenStudie an Frauen" im Tagesspiegel vom 10. Januar 2003

In dem Artikel wird unterstellt, dass die Einnahme von Östrogenen für ein Jahr durch Frauen nach der Menopause ein erhebliches Gesundheitsrisiko darstellt, und dass deshalb Arzneimittelprüfungen mit solchen Hormonen unethisch sein könnten. Hier handelt es sich um ein Missverständnis. Die zitierte US-Studie sollte prüfen, ob die Langzeiteinnahme über viele Jahre solcher Hormonpräparate vor Herz-Kreislauferkrankungen schützt. Nach einer Laufzeit von fünf Jahren wurde die Studie abgebrochen, weil ein leichter Anstieg der Zahl von Brustkrebserkrankungen bei den behandelten Frauen und ein leichter Anstieg von Herz-Kreislauferkrankungen beobachtet wurde.

Die Behandlung von klimakterischen Beschwerden wie Hitzewallungen, Schwitzen und Schlafstörungen mit Östrogenen ist damit nicht in Frage gestellt. Das erhöhte Thrombose-Risiko, das sich auch in der US-Studie zeigte, ist seit mehr als zwanzig Jahren bekannt und muss jeder Frau, die die Antibaby-Pille oder Östrogene nach der Menopause nehmen möchte, erläutert werden.

Da viele deutsche Gynäkologen leider immer noch die Langzeitmedikation mit Östrogenen nach der Menopause, auch aus kosmetischen Gründen (Haut und Haar), empfehlen, ist es begrüßenswert, wenn eine Forschergruppe die unbeantwortete Frage mit einer Einjahres-Studie prüfen will. Das zusätzliche Brustkrebs-Risiko ist in dieser kurzen Zeitspanne minimal.

Dr. med. Wolfgang Oelkers (Professor em. für

Endokrinologie, Freien Universität Berlin)

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