Leserbriefe : Das Haar in der Suppe

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Zur Berichterstattung über Henrico Frank

Wie einfach kann doch die Welt sein, so vor Weihnachten: Nur waschen und rasieren und alle Sorgen sind passé. Das haben wir ja schon vor 20 Jahren gewusst, dass derjenige der keine Arbeit hat, im Grunde doch gar keine will. Und wer sich ordentlich kleidet und natürlich auch gewaschen und rasiert ist, der findet auch was. Jawoll! Ich dachte eigentlich, dass Sie auch einen gewissen kritischen Journalismus verfolgen, so dass die Widergabe solcher Plattheiten Ihnen eigentlich zu doof sein sollte. In diesem Sinne könnten Sie sich die Frage stellen, warum auf einmal ein paar Millionen Menschen sich nicht mehr waschen (sind die Wasserpreise zu hoch?) oder warum diese Millionen sich nicht mehr ordentlich anziehen.

Sie könnten sich aber auch der Frage stellen, ob Henrico Frank drei Arbeitsangebote bekommen hätte, wenn er sich (auch gewaschen und rasiert!) normal darauf beworben hätte. Wäre er aufgrund seines Lebenslaufs eventuell gleich bei der ersten Sichtung aussortiert worden, weil er vorher noch nie etwas mit Müll oder Malern gemacht hat? Dies wären doch Fragen, mit denen Sie sich auseinandersetzen könnten, anstatt das zu beweisen, was Politiker nur zu gerne denken, die keinen Dunst haben von der Schwierigkeit normaler Menschen, einen Arbeitsplatz zu bekommen, da die nächsten Aufsichtsratspöstchen schon in der Tasche sind.

Sie könnten sich auch mit der Problematik befassen, welche volkswirtschaftlichen Schäden für Deutschland entstehen, wenn viele ausgebildete und gut qualifizierte Menschen (denn dort gibt es auch Arbeitslose!) zu Hause bleiben müssen weil ihre Lebensläufe zu „krumm“ sind und keine Chancen mehr gegeben werden oder wie sich die Arbeitslosigkeit auf die viel gepriesene Gleichberechtigung von Frauen auswirkt. Das wäre eine qualifizierte Auseinandersetzung mit dem Thema und nicht das Heranziehen von einfach gestrickten Menschen um mit Plattitüden eine Gesamtlösung zu versprechen.

Katharina Herzog-Raasch,

Schönwalde/Glien

Man wird das ungute Gefühl nicht los, dass Herr Frank keinerlei Interesse an einer festen Arbeitsstelle hat. Und falls ihm eine Stelle aufgedrängt wird, hilft ihm Frau Vallenthin sicher gern, das Haar in der Suppe zu finden.

Theresa Surges, Berlin-Tegel

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