Leserbriefe : Das Otto-Suhr-Institut ist spitze

„Rote Welle / Einst organisierten sie an ihrem WG-Tisch die linksalternative Opposition. Seit Dienstag sind Harald und Udo Wolf das politisch mächtigste Brüderpaar Berlins“ von Lars von Törne vom 7. Oktober

Im Porträt von Udo Wolf, dem neuen Vorsitzenden der Abgeordnetenhausfraktion der Linkspartei, schreibt Lars von Törne: „,Bei der PDS war es anfangs gar nicht vorstellbar, dass ein Wessi in die erste Reihe geht‘, sagt Wolf, der in Frankfurt am Main zur Welt kam und in der Region aufwuchs, bevor er 1984 zum Politikstudium ans OSI ging, an das Otto-Suhr-Institut der FU, das bis in die 90er Jahre mehr als Durchlauferhitzer für linke Politaktivisten denn als wissenschaftliche Einrichtung bekannt war.“

Die aufgestellte Behauptung ist so substanzlos, das sie einer Entgegnung eigentlich nicht wert wäre. Dennoch ist es für ehemalige und aktuell Studierende und Lehrende kränkend und ärgerlich, wenn Sie in einer Qualitätszeitung solchen Unfug lesen müssen. Die Liste der Professorinnen und Professoren, die in den 80er und 90er Jahren national wie international beachtete Forschungsleistungen erbracht haben, ist lang (und sicherlich nicht vollständig): Ulrich Albrecht, Johannes Agnoli, Elmar Altvater, Franz Ansprenger, Helga Haftendorn, Gerhard Göhler, Jürgen Fijalkowski, Martin Jänicke, Gerhard Kiersch, Georg Kotowski, Ekkehart Krippendorff, Wolf-Dieter Narr, Barbara Riedmüller, Gesine Schwan, Peter Steinbach, Bodo Zeuner, etc. Wenn das Otto-Suhr-Institut für etwas bekannt war und ist, dann für deren wissenschaftliche Leistungen.

Tausende von Absolventinnen und Absolventen des Instituts, die heute in den verschiedensten Berufen erfolgreich tätig sind, werden beim Lesen des oben zitierten Satzes wohl ebenfalls nur mit dem Kopf schütteln.

Was einen aktuell gerne als Qualitätsmerkmal herangezogenen Aspekt betrifft – die Drittmittelakquise – so bleibt festzuhalten, dass die am OSI betriebene Politikwissenschaft damals, und nicht erst heute, von allen sozial- und geisteswissenschaftlichen Fächern der FU die höchste Drittmittelförderquote hatte.

Prof. Dr. Dagmar Vinz,

Geschäftsführende Direktorin

des Otto-Suhr-Instituts, Berlin-Dahlem

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