Leserbriefe : Das Recht auf Berufsausbildung verwirkt

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Betrifft: „SPD nimmt Abweichler in Kauf“ vom 13. Oktober 2003

Ich bin einundzwanzig Jahre alt und arbeitslos. Ich habe keine abgeschlossene Berufsausbildung und war bis vor kurzem als CallCenter-Agent tätig. Nun suche ich eine Ausbildungsstelle als Mediengestalter für Digital- und Printmedien. Als ich vor ein paar Jahren die Schule mit einem Realschulabschluss abgeschlossen hatte, begann ich eine Ausbildung zum Friseur, die ich nach drei Monaten aus gesundheitlichen Gründen leider abbrechen musste. Nun war ich Sozialhilfeempfänger und erneut auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle.

Um nicht länger auf Kosten des Staates zu leben, nahm ich eine Stelle als Call-Center-Agent an. Da mein Arbeitsvertrag am 30. September dieses Jahres auslief, entschloss ich mich, mich wieder auf Lehrstellensuche zu begeben. In der Hoffnung, dass mir das Arbeitsamt dabei Unterstützung bietet, und auch aus gesetzlicher Pflicht habe ich mich beim Arbeitsamt als arbeitslos und -suchend gemeldet. Dabei habe ich der Bearbeiterin auch mitgeteilt, dass ich eine Lehrstelle suche und nicht weiter als Call-Center-Agent tätig sein will.

Nach einigen Tagen erhielt ich einen Brief, in dem ich aufgefordert wurde, mich bei einer Firma als Call-Center-Agent zu bewerben. Des Weiteren wurde mir mitgeteilt, dass mir mein Arbeitslosengeld gestrichen wird, wenn ich dieser Einladung nicht nachkomme. Seitens des Arbeitsamtes stehe mir keinerlei Unterstützung bei der Suche nach einer Lehrstelle zu, da ich mich bereits einmal dem offenen Arbeitsmarkt gestellt habe. Und all dies, obwohl laut Gesetz jedem Jugendlichen bis zum 27. Lebensjahr die Möglichkeit zugesichert wird, eine Berufsausbildung absolvieren zu können.

Rémy Chimiczewski, Berlin-Lichtenberg

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