Leserbriefe : Das Schloss kommt / kommt nicht

„Das Geisterhaus / Traum und Albtraum: Sieben Gründe, warum aus dem Berliner Stadtschloss nichts Gutes werden kann. Eine Polemik“ von Christiane Peitz

vom 16. November

Christiane Peitz schreibt über ihren hervorragenden und in jeder Hinsicht zutreffenden Artikel vorsichtig „Eine Polemik“. In Wirklichkeit beschreibt sie Wahrheiten, die ausgesprochen und diskutiert werden müssen.

Nicht nur, dass das Bauministerium die Baukosten von über 900 Millionen Euro auf 480 Millionen Euro nach unten schummelt, alle Risiken und Nebenwirkungen eines solchen Vorhabens wegretuschiert und sich auf zweifelhafte Spendenzusagen der Schlossfreunde verlässt. Auch von den jährlichen Betriebskosten eines derartigen Neubauvorhabens mag keiner so recht reden. Experten sprechen von elf Millionen im Jahr. Lebenszyklusbetrachtung von Gebäuden? Ein Fremdwort hier. Was es kostet, eine restaurative Kuppel und drei barocke Fassaden energieeffizient zu hinterfüttern, möchte man lieber gar nicht wissen, und wie’s am Ende mit der Baukultur aussieht, auch nicht. Am Beispiel nebenan, der wiedererrichteten Kommandantur der Bertelsmann-Repräsentanz, kann man den Vorgeschmack eines derartigen Zwitters ja bereits bewundern.

Die Frage, die Bundestagspräsident Norbert Lammert schon vor Jahren richtig stellte, lautet deshalb: „In Deutschland krachen die Sozialsysteme, die Maastrichtkriterien werden gebrochen, die Bildungssysteme müssen umstrukturiert werden – in so einer Situation setzt das Land Zeichen mit einer nostalgischen Fassade für 900 Millionen Euro. (…) Die Debatte muss sich mit Varianten auseinandersetzen.“ Sonst sieht diese junge Hauptstadt sehr bald alt aus.

Theresa Keilhacker, Berlin-Moabit

Sie versammeln sich zum letzten Gefecht, die Damen und Herren Architekten. Es gilt, die Wiederherstellung der Schlossfassade – sie ist längst beschlossen – zu verhindern. Auf den freien Platz gehört ein glatter Kubus, meinen sie. Alles andere sei Zuckerbäckerei, so das Lamento, barocker Kitsch, den keiner will.

Ist es so? Natürlich nicht. Die Zunft übersieht dabei, dass es bei diesem Projekt nicht um die Installation einer baulichen Eintagsfliege oder die eitle und für wenige Jahre „hingehuschte“ Darstellung von einem weiteren seelenlosen Gebäude geht – von denen wir genug hingestellt bekommen haben –, sondern um einen Kulturauftrag. Per definitionem heißt dies nichts anderes, als sich erstens vor dem zu verbeugen, was große Baumeister in der Mitte Berlins einst schufen, um dann mit dem nötigen Respekt, der Achtung, auch Bescheidenheit und wirklichem Können den Bogen vom Gestern zum Heute und zum Morgen zu spannen, damit diese Mitte wieder jenen Solitär erhält, den sie verdient.

Das ist nicht mit einem vollgefensterten Würfel aus Beton oder Glas abgetan. Das bedeutet harte Kulturarbeit und die Wiederentdeckung des Schönen in der Architektur.

Mögen sie also ihre Federn weiterhin spitzen und ihre galligen Argumente verhundertfachen! Es bleibt dabei: Die Schlossfassade kommt.

Arnulf Joachim v. Tomberg,

Berlin-Charlottenburg

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