Leserbriefe : Das Tempelhofer Feld ist nicht immer ein Flughafen gewesen

Zum Volksentscheid über die Offenhaltung des Flughafens Tempelhof

Nun also endgültig: Großflughafen in Schönefeld und Tempelhof macht dicht. Was folgt daraus? Es gibt noch viel Platz zum Leben und Wohnen auf dem Tempelhofer Feld! Fantastisch zentral, demnächst schön grün und garantiert ohne Fluglärm. Die Nachnutzung von Tempelhof bietet die einmalige Gelegenheit die Umgebung des Flughafens Schönefelds so menschenleer zu machen, wie es Sperenberg immer war. Ausbau zu Deutschlands zweitgrößten Flughafen? Nachtflüge? Frachtverkehr? Geschäftsflieger? Alles kein Problem mehr! Und was die Kosten für den Bau neuer Häuser und Wohnungen auf dem Tempelhofer Feld für Exil-Schönefelder angeht: Klaus Wowereit würde gar nicht anders können, als hier seinen Beitrag zu leisten. Schönefelder zieht nach Tempelhof, dort werdet Ihr es besser haben!

Eugen Marquard,

Berlin-Baumschulenweg

Als Vater von zwei schulpflichtigen Kindern brauche ich kein Tempelhof, aber ich wünsche mir, dass die Industrie- und Handelskammer, große Firmen, die CDU eine noch größere Kampagne für bessere Schulen und Bildung in Berlin starten und den Senat damit unter Druck setzen. Das würde wirklich die Zukunft sichern, Arbeitsplätze in Berlin schaffen und viele Firmen anlocken.

Rudolf Petrasch, Berlin-Zehlendorf

Schon bei der Einweihung des Berliner Hauptbahnhofes fand sich prompt ein illustrer Haufen von Geschäftsleuten und selbst ernannten Interessenvertretern, die nichts besseres zu tun hatten, als dem guten alten Bahnhof Zoo nachzutrauern; so dass man schon meinen konnte, der ganze Bahnverkehr würde zusammenbrechen. Und nun das Gleiche beim Flugverkehr: Endlich geht es voran mit einem angemessenen Flughafen in Schönefeld – da fällt einigen Nostalgikern und Privatfliegern ein wie schön es doch wäre, auch weiterhin mitten in der Metropole landen zu können.

Ich weiß gar nicht, was mich an dieser Kampagne am meisten nervt: Die Steuermillionen, die für eine völlig überflüssige Volksabstimmung in den Sand gesetzt werden? Das viele Geld, das der Flughafen Tempelhof in den letzten Jahren schon an Verlust eingefahren hat? Die Arroganz unserer so genannten Wirtschaftseliten, denen die enorme Lärmbelästigung und Gefährdung vieler Hunderttausend Berliner durch den innerstädtischen Flugverkehr anscheinend gleichgültig ist? Die Provinzposse, dass es fast 20 Jahre nach dem Mauerfall immer noch zwei innerstädtische Flughäfen gibt, von denen der eine (Tegel) ohne die Mauer niemals an diesem Standort gebaut worden wäre, und die nach heutigem Recht beide nicht die Spur einer Chance auf eine Betriebsgenehmigung hätten?

Die Tatsache, dass die gleiche Partei, die nun fleißig „Ja“-Plakate kleben lässt, in den 90er Jahren den Schließungsbeschluss für Tegel und Tempelhof selbst verabschiedet hat?

Nein, das alles nicht so schlimm! Man wird es schon bald vergessen haben, wenn BBI in Schönefeld in Betrieb geht und über den Dächern der Berliner Innenstadt endliche Ruhe herrscht. Wirklich schlimm ist vielmehr das Fehlen einer ernst zunehmenden, kreativen und wirklich zukunftsorientierten bürgerlichen Kraft in unserer Stadt – die wir dringender bräuchten als Parteistrategie und Luftbrücken-Nostalgie!

Christoph J. Bröckers,

Berlin-Niederschönhausen

Der Versuch des Neuberliners Friedbert Pflüger, die u. a. von seinem Parteifreund Eberhard Diepgen im Jahr 1996 beschlossene Schließung des Flughafens Tempelhof zu verhindern, ist gescheitert. Dieser Versuch, der wohl auch dazu dienen sollte, Klaus Wowereit „vorzuführen“, hat den Berliner Steuerzahler ca. zwei Millionen Euro gekostet!

Otto Eigen, Berlin-Kladow

Herzlichen Glückwunsch Herr Pflüger: Sie haben den Volksentscheid Flughafen Tempelhof „verwonnen.“ Es ist schon eine Frechheit, wie Sie trotzdem auftreten. Mein Vorschlag: übernehmen Sie doch die Kosten, die der Stadt für den Volksentscheid entstanden sind aus der CDU-Parteikasse.

Michael Recktenwald, München

Selten hat sich ein führender deutscher Politiker derart arrogant verhalten wie Klaus Wowereit. Ernst gemeinte Angebote von hochkarätigen Investoren und potenziellen Betreibern des Flughafens Tempelhof hat er einfach mit einer Handbewegung vom Tisch gewischt. Das Angebot der Bundesregierung zur Übernahme der Betriebskosten bis zur Eröffnung von BBI hat er einfach ausgeschlagen. Bereits vor der Volksabstimmung hat der „Herrscher von Berlin“ erklärt, er habe nicht vor, sich daran zu orientieren. Dass BBI 2011 den gesamten heutigen und zukünftigen Berliner Luftverkehr aufnehmen kann, glaubt doch kein denkender Mensch ernsthaft.

Heimo Kandler, Berglern

Der aktuelle Sommerflugplan der Berliner Flughäfen bietet von Tegel, Schönefeld und Tempelhof 146 Flugziele an. Davon ab Tempelhof: fünf (!). Der Rest verteilt sich auf die anderen beiden.

Wolf Thieme, Werbig

Gerade weil mir Tempelhof nicht egal ist, habe ich dagegen gestimmt. Dabei bin ich der Prototyp des im Leitartikel von Gerd Nowakowski erwähnten „alten West-Berliners" aus dem Südwesten der Stadt, der angeblich „im Kampf ums alte West-Berlin“ steht und dennoch nein zum Flughafen sagt und damit keineswegs eine Ausnahme ist. Das einzige Argument der Befürworter war die Luftbrücke, deren Gedenken auch bei einer Stilllegung des Flughafens nicht im mindesten gefährdet ist. Es bleibt der Platz der Luftbrücke mit der „Hungerharke“, um eine angemessene Erinnerung zu pflegen. Dass es einer dubiosen „Interessengemeinschaft“ und der Berliner CDU um Erinnerung gegangen ist, muss bezweifelt werden. An Gefühle und Emotionen zu appellieren, um letzten Endes beinharte Privatinteressen durchzusetzen, ist eine alte Masche.

Tempelhof ist ein Problembezirk. Alles, was die Lebensqualität in dieser Ecke Berlins verbessert, ist wert, unterstützt zu werden. Kein Fluglärm, keine Gefährdung durch einen immer möglichen Flugzeugabsturz, ein schöner, großer Park statt Landebahnen, schließlich ist das Tempelhofer Feld nicht immer ein Flughafen gewesen … Wer pflegt diese Erinnerung?

Christian Dietrich Schmidt,

Berlin-Lichterfelde

Natürlich kann ich es verstehen, dass echte Berliner an Tempelhof hängen, sehr sogar. Die echten, alten, die versorgt wurden mit Hilfe der Luftbrücke durch die Rosinenbomber.

Aber sind wir nicht endlich wieder ein Deutschland ? Dem sollte man Rechnung tragen bei Veränderungen. Uns Ossis wirft man oft Nostalgie vor und leider nicht mal zu Unrecht. Doch gibt es Nostalgie auch in den alten Bundesländern. Und dieses Hängen am Alten, diese Nostalgie, die es nun mal auch im Westen gibt, trägt dazu bei, dass das Zusammenwachsen so schwierig ist.

Paul Krüger, Oranienburg

„Die“ Berliner haben entschieden, Tempelhof soll weg! Ich erinnere mich noch sehr an die Erzählungen und die Dankbarkeit meines Vaters, als er von den Rosinenbombern sprach, die so vielen Berlinern das Leben retteten. Die die dringend benötigte Nahrung und Medikamente in die Stadt brachten und dem damaligen Ostblock zeigten, dass Demokratie und Freiheit ein so hohes Gut sind, dass man dafür vieles riskiert, um es zu verteidigen.

Und wie war das mit Berlin = Weltstadt? Schönefeld liegt eine halbe Ewigkeit von Berlin entfernt. Geschäftsleute von heute wollen schnell und ohne große Zug- oder S-Bahn-Benutzung in die Stadt, wenn sie aus einer entfernteren Destination kommen.

Bernard Corazolla, Obfelden/Schweiz

Ideenwettbewerbe sind gut, zum Beispiel, wenn es um die Gestaltung eines Schulhofs geht. Sie können sogar erfolgreich sein, wenn die Teilnehmer die zur Verfügung stehenden Investitionsmittel, den Zeitrahmen und die Jury kennen. Für das 386 Hektar große Tempelhofer Feld soll daher ein „wunderbarer Ideenwettbewerb” noch im Mai ausgeschrieben werden. Um einer der weltweit größten städtebaulichen Herausforderungen zu begegnen, ist das eine nicht wirklich ernst zu nehmende Idee.

Zunächst steht die Altlastenbeseitigung an. Die Kosten dafür können immens sein und sind hoffentlich schon in den Haushalt eingestellt!. Koordiniert werden müssen sodann die Interessen von drei Bezirken, potenziellen und hoffentlich potenten Investoren. Dafür gibt es das international bewährte Instrument eines Entwicklungsträgers. Auch wenn man in Berlin glaubt, man hätte mit Entwicklungsträgern schlechte Erfahrungen gemacht, gibt es bei Vorhaben dieser Größe keine Alternative.

Realismus wäre auch bezüglich des Planungszeitraums angebracht: beim relativ kleinen Potsdamer Platz dauerte die Planung sieben Jahre. Alle anderen Versprechungen, was auf den Luftverkehr in Tempelhof folgen soll, sind bisher nichts als Luftschlösser.

Rainer Milzkott, Berlin-Lichterfelde

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