Leserbriefe : Datenvernetzung bleibt das Problem

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Betrifft: „Was Kunden wirklich wollen“ vom 12. Januar 2004

Da sind sie wieder, die Verbraucherschützer, die alles regulieren wollen, die Verbraucher sogar vor Dingen schützen wollen, bei denen die Konsumenten selbst keinerlei Risiko erkennen wollen. In Ihrem Kommentar zum „gläsernen Konsumenten“ kritisieren Sie einen übereifrigen Verbraucherschutz, der in Kundenkarten und Dosensuppen mit eingebautem Chip gleich den Einstieg in die schöne neue Welt der totalen Kundenüberwachung sieht. Sie haben Recht – zur Panik besteht kein Anlass, wenn Unternehmen wissen, dass ein Kunde Fertigpizza und Fertigsalat kauft und daraus folgern, dass es sich um einen Single handeln muss.

Aber erwarten Sie nicht, dass Verbrauchervertreter nicht auch auf denkbare Risiken aufmerksam machen. Das Problem bei Kundenkarten oder intelligenten Chips liegt schließlich woanders: in der Vernetzung verstreuter Daten und in der Unkontrollierbarkeit der Datenströme. So lassen sich dann auch die Datengrenzen zwischen einzelnen Unternehmen und verschiedenen Branchen überwinden.

In einigen denkbaren Konstellationen sind zumindest Zweifel angebracht: Wo liegt der Kundenvorteil, wenn die Versicherung weiß, wer über Jahre Schmerzmittel gekauft hat? Wenn die Bank anhand ihrer Kundendaten ablesen kann, wer einen hohen Alkoholkonsum hat? Wenn man bei Banken und Versicherungen Risikozuschläge zu zahlen hat, weil man anhand der Kundendaten als „Risikokunde“ gilt?

Carel Mohn, Pressesprecher der Verbraucherzentrale Bundesverband e.V., Berlin

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