Leserbriefe : DEBATTE UM DEN SUBVENTIONSABBAU Was soll der „Windkraftwahn“?

Unsere Leser Uta und Maik Noak fragen, warum so viel Geld für Windenergie ausgegeben wird. Bundesumweltminister Jürgen Trittin antwortet.

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Zu: „In den Wind geschrieben“ vom 16. Juli 2003

Vielen Dank, dass endlich einer im Rahmen einer Artikelserie zum Subventionsabbau den grassierenden Windkraftwahn aufs Korn nimmt! Es ist nicht mehr mitanzusehen, wie eine Lobby von geldgeilen Subventionsschnorrern (Errichter, Betreiber) im trauten Zusammenspiel mit rotgrünem Ökowahn anheim gefallenen Politikern, grauverstaubten Paragrafenreitern in den Umweltbehörden und verantwortungslosen Dorfschulzen, die für ein paar tausend Euro die Zukunft verschachern, die Landschaft vor allem in Brandenburg und Sachsen-Anhalt rabiat und ohne Rücksicht zur Sau machen und sich gleichzeitig bigott-saubermännisch hinter dem Ökosiegelchen verstecken.

Das Ganze mutet inzwischen an wie der Schwindel von Ökoeiern aus Bodenhaltung in den achtziger Jahren, als man die Hühner aus den Etagen auf den Boden entlassen hat, nur dass die Ställe genauso groß und mistig blieben.

Es sind ja nicht nur die märchenhaften Margen von zwanzig Prozent, die Sie zitieren. Bereits im Vorfeld wird von den Betreibern derartig mit Geld gequast, dass sich der Eindruck aufdrängt, Geld spiele da überhaupt keine Rolle. Im Stile von Drückerkolonnen sind hier Aufkäufer unterwegs, die (für manchen hier) märchenhafte Summen für ein paar Äcker bieten.

Uta und Maik Noak, Lasow

Sehr geehrte Frau Noak,

sehr geehrter Herr Noak,

die Bundesregierung hat die Energiewende eingeleitet, um unsere Energieversorgung ressourcenschonend, umweltgerecht und effizient zu gestalten. Wir haben den Ausstieg aus der rückwärtsgewandten Atomenergie im Gesetz festgeschrieben, weil die mit dieser Energietechnik verbundenen Risiken allenfalls noch für eine begrenzte Dauer hinnehmbar sind – und weil Atomkraft zur Verschwendung einlädt. Die Bundesrepublik setzt statt dessen auf den kräftigen Ausbau der erneuerbaren Energien, auf Energiesparen und die Verbesserung der Energieeffizienz. Hierbei spielt in der Tat die Windenergie eine herausragende Rolle. Die Bilanz ist beeindruckend: Bei uns sind heute über 12 800 MW Windleistung installiert, das Fünffache der Leistung von Ende 1998. Deutschland ist Windkraftweltmeister, ein Drittel der weltweit erzeugten Windenergie wird bei uns produziert. Das hilft dem Klima.

Durch die Nutzung der erneuerbaren Energien – also von Wind, Wasser und Sonne - werden bei uns rund 50 Millionen Tonnen klimaschädliches CO2 eingespart. Die erneuerbaren Energien haben 130 000 Arbeitsplätze geschaffen. Allein im Windbereich sind es mittlerweile 40 000. Kurzum: Windenergie und andere erneuerbare Energien schützen das Klima und geben Impulse für Wirtschaft und Arbeit. Hierin vermag ich alles andere als einen „grassierenden Windkraftwahn“ zu erkennen.

Auch der Vorwurf, die erneuerbaren Energien würden mit staatlichen Geldern subventioniert, geht völlig an der Realität vorbei. Für Strom aus Windkraft gibt es keinen Cent Subventionen aus Steuergeldern. Folglich würde eine Reduzierung der Vergütungssätze auch nicht zum Abbau der staatlichen Subventionen beitragen. Der Ausbau der erneuerbaren Energien wird durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) gefördert. Die Erzeuger erhalten vom Netzbetreiber einen festgelegten Preis. Strom aus Windenergie wird in den ersten fünf Betriebsjahren derzeit mit 8,9 Cent je Kilowattstunde vergütet, danach sinkt die Vergütung auf 6 Cent/kWh. Eventuelle Mehrkosten werden von den Netzbetreibern auf den Strompreis für alle Stromkunden umgelegt. Dieses wirksame Instrument des Klimaschutzes kostet einen privaten Haushalt zur Zeit einen Euro pro Monat. Das ist ein sehr kleiner Beitrag zur Bewältigung des größten Umweltproblems – den globalen Klimawandel.

Windkraftanlagen dürfen nicht überall errichtet werden. Es liegt in der Hand der Kommunen, bei der Errichtung von Windkraftanlagen darauf zu achten, dass sie dem Landschaftsbild angepasst werden. Wenn geeignete Flächen ausgewiesen werden, kann einem Wildwuchs entgegen gewirkt werden. Die Verpachtung von landwirtschaftlichen Flächen an Windkraftbetreiber verschafft den Landwirten eine zusätzliche Einnahmequelle. Ist es nicht besser, Landwirte verdienen mit sauberem Strom Geld, als dass sie am Tropf von Subventionen hängen?

Jürgen Trittin ist Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit.

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