Leserbriefe : Demokratieverständnis

„Gerechtigkeit für Silvio Berlusconi!“

von Joachim Blüher vom 26. November

Ganz schön locker und lustig, der Herr Direktor der Villa Massimo! Kritik an Berlusconi – nur protestantische, moralinsaure Spielverderberei, Unfähigkeit, seine Virilität, sein an der Antike geschultes Politikergebaren anzuerkennen? Dumm nur, dass Berlusconi den „schönsten Frauen“ seiner „Entourage“ Sitze im Parlament anbietet – und das hat auch in der italienischen Demokratie andere Aufgaben, als dem Ministerpräsidenten ergeben zu sein. Auch anderen demokratischen Institutionen steht Berlusconi zumindest verständnis- und respektlos gegenüber; so der Judikative, die er seit Jahrzehnten auszutricksen versucht, neuerdings aber ganz naiv zur Zusammenarbeit unter seiner Führung aufruft. Seine „Justizreform“ verfolgt in erster Linie den Zweck, eigene Straftaten als verjährt abzuhaken. Seiner „Unterrichtsreform“ soll der Geschichtsunterricht zum Opfer fallen; so etwas wie Staatsbürgerkunde gibt es nicht.

Die Entfernung des Mülls von Neapel war ein Spektakel wie das „Geschenk“ einer Anzahl von Häusern im Erdbebengebiet der Abruzzen zu Berlusconis Geburtstag – sensationell aufbereitet von den Medien, die er dank seines immensen Vermögens beherrscht.

Nein, Herr Bühler: Ihre Glosse ist eine Ohrfeige für alle Italiener, katholisch oder nicht, die selbst denken und sich eine gut informierte, streitbare, lebendige Demokratie wünschen.

Fro Tinnappel, Berlin-Zehlendorf

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben