Leserbriefe : Der Beruf des Busfahrers ist hart und wenig anerkannt

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Betrifft: „Der lange Tag der Kontrollen“ vom 17. Juni 2003

Bei allem Verständnis für die Berichterstattung über die schrecklichen Serie von Busunfällen in der letzten Zeit: Ich warne davor, den Bogen zu überspannen und Busunternehmen generell zu verurteilen. Wie in jeder anderen Branche gibt es schwarze Schafe, aber das sollte den Blick nicht trüben auf die überwiegende Zahl derer, die – egal ob Kleinbetrieb oder Großunternehmen – seit Jahrzehnten sorgfältig und verantwortungsbewusst arbeiten.

Abfahrtskontrollen an den Schulen? Ja, wenn sie sachlich und freundlich durchgeführt werden. Aber bitte keine „Sondereinsatzkommandos", die mit einem Lächeln und hundert besorgten Eltern im Rücken den ankommenden Bus samt Fahrer gleich seiner „gerechten" Strafe zuführen wollen, nach dem Motto: Der hat etwas zu verbergen, man muss nur noch herausfinden was.

Der Beruf des Busfahrers ist hart, anstrengend, gesellschaftlich zu wenig anerkannt und dazu noch unterbezahlt. Eine Art Gerichtsverhandlung bei der Abfahrt, bei der sich der Fahrer vor großem Publikum verteidigen muss, ist einfach nur schlecht für die Stimmung und der Sache wenig hilfreich.

In der Presse wird die Ansicht der Polizei verbreitet, Großbetriebe könnten mehr Sicherheit bieten, da sie eigene Werkstätten, genug Kapital und genügend Ersatzbusse hätten. Diese Meinung diskreditiert nicht nur den gesamten kleinen Mittelstand, sondern greift darüber hinaus zu kurz: Mechaniker, die in Werkstätten von Großbetrieben arbeiten, sind Angestellte des Busunternehmers und somit abhängig beschäftigt. Gerade hier bestünde – schlechter Vorsatz angenommen – viel deutlicher die Möglichkeit einer Einflussnahme als in unabhängigen Herstellerwerkstätten, die der Kleinunternehmer aufsuchen muss, um die erforderlichen Prüfungen durchführen zu lassen.

Außerdem sei angemerkt, dass so mancher Bus eines Großunternehmers nach vier Jahren in einem schlechteren Pflegezustand sein kann, als beispielsweise der eines Familienunternehmers nach zehn Jahren! Während der Großunternehmer unter Umständen ständig wechselnde Fahrer auf seinem Bus beschäftigt, um eine hohe Auslastung des Busses zu erreichen, fährt der Einzelunternehmer meist selbst auf seinem Bus, hätschelt und pflegt ihn, und wenn er schläft, steht der Bus! Großbetrieb heißt also nicht automatisch mehr Sicherheit.

Thomas Schlüter, BerlinCharlottenburg

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