Leserbriefe : Der Emotionenkonflikt

Zur Diskussion über die Rentenerhöhung

Rentnerdemokratie? Ich habe eher das Gefühl, Deutschland steuert voll in eine Rentnerdiktatur hinein! Als 20-Jähriger habe ich langsam genug von dem, was unserer Generation aufgebürdet wird. Kein Öl mehr, Klimawandel, Ozonschicht höchstens noch in Fragmenten und über die Staatsverschuldung wollen wir erst gar nicht reden … Wer soll denn da nicht ins Zweifeln kommen, ob überhaupt an uns Junge gedacht wird? Die große Koalition will den Haushalt konsolidieren. Toll, das heißt, dass es keine neuen Schulden gibt, das heißt noch lange nicht, dass die Schulden mal weniger werden. Die Zinsen bleiben auf jeden Fall. Wenn jetzt ein junger Politiker was sagt, kriegt er Hassmails von Rentnern.

Die jetzige Rentnergeneration ist die wohlhabendste seit dem zweiten Weltkrieg. Ich will nicht sagen, dass sie sich keine angemessene Rente verdient hätte, aber der Generationenvertrag ist zweiseitig und nicht ein einseitiger Versorgungsvertrag. Und daher fordere ich, dass auch die ältere Generation etwas für die jüngere tut und ihr einen Teil der Last abnimmt. Dazu gehört auch, auf Rentenerhöhungen zu verzichten (wir Jungen kriegen ja nicht mal mehr unsere eingezahlten Beiträge raus!) und endlich mal eine vernünftige und konsequente Sparpolitik durchzuziehen.

Timon Kaiser, Berlin-Staaken

Das fehlte uns noch. Nach Mißfelder und Co. meldet sich nun zur Rentenerhöhung auch unser ehemaliger Bundespräsident Herzog zu Wort. Wohl versorgt mit seiner Pension, warnt er vor einer Rentnerdemokratie; Anlass ist die Diskussion um die Erhöhung der Renten, wohlgemerkt von Renten, für deren Anwartschaft die heutigen Leistungsnehmer im Gegensatz zu ihm zwangsweise in eine von ihnen nicht beeinflussbare Kasse einzahlen mussten.

Da wird seit Wochen in epischer Breite und auf Kosten des Steuerzahlers über eine Rentenerhöhung diskutiert, die mehr als zwei Prozent unter der Inflationsrate liegt, und das von einer Kaste von Politikern, die sich ihre eigenen Bezüge im letzten Jahr „mal einfach so nebenbei“ um einen Satz deutlich über der Inflationsrate erhöht hat. Da wird vom Ausbluten der Rentenversicherung geredet, von Leuten, die in das System keinen Cent einzahlen, obwohl sie doch Arbeitnehmer des Bürgers sind und die Pensionsansprüche erwerben, von denen der gemeine BfA-Rentner nicht einmal träumen darf.

Ich gehöre der Generation der Babyboomer an, einer Generation, die viel in die staatliche Rentenversicherungskasse einzahlt und – inzwischen wiederholt bestätigt – wenig herausbekommen wird. Ich habe mein Studium weder mit Hilfe meiner Eltern noch durch Bafög finanziert, ich habe gearbeitet und es trotzdem zur Diplom-Informatikerin geschafft. Ich bin groß geworden in den 60er Jahren und habe gesehen, wie meine Eltern mit viel Sparsamkeit ihren heutigen Lebensstandard erarbeitet haben. Auch ich habe gegen den Muff der 60er Jahre und meine Eltern revoltiert, aber ich bin stolz darauf, dass sie mir ihre Werte Toleranz, Solidarität mit Schwächeren aber auch Verzicht (man kann nicht alles haben) vermitteln konnten. Ich werde auch im Alter nicht untergehen, denn ich habe von meinen Eltern gelernt, für mich selbst zu sorgen und ich gönne ihnen ihr heutiges Leben von ganzem Herzen, es ist schwer genug erarbeitet.

Ich bin frustriert, wenn ich die Vertreter des Volkes höre, die der Generation meiner Eltern ihren Lebensstandard nicht erhalten wollen.

Astrid Kuhlmey, Berlin-Lichterfelde

Dafür, dass die „Alten“ immer mehr werden, können sie wohl kaum verantwortlich gemacht werden. Und was heißt „Die Jüngeren immer stärker zur Kasse bitten“?

Wir wurden nach dem Krieg auch nicht gefragt ob wir für die Masse der ehemals Selbstständigen, die nie einen Pfennig für ihre soziale Absicherung in die Renten-, Arbeitslosen- und Krankenkassen eingezahlt hatten, aufkommen wollten. Wir taten es ohne ein solches Gezeter, wie es jetzt der Fall ist, anzustimmen. Wir wahren der Meinung, dass es eine Selbstverständlichkeit ist, dass Menschen die nicht mehr in der Lage sind ihren Lebensunterhalt zu verdienen, geholfen werden muss. Vielleicht ist es uns damals leichter gefallen weil wir noch 48 Stunden in der Woche gearbeitet haben. Wenn die Jüngeren es mal damit probieren würden, könnten sie es bestimmt schaffen, ohne sich selber Einschränkungen auferlegen zu müssen, ihren Verpflichtungen gegenüber der Generation nachzukommen die die Voraussetzungen für ihren heutigen Lebensstandard geschaffen haben. Auch die Reduzierung des Jahresurlaubs auf zwei Wochen, wie damals, würde dem Sozialprodukt einen gewaltigen Schub geben.

Paul Müller, Berlin-Buckow

Es ist schon eine Unverschämtheit den Rentnern 2008 nur 1,1 Prozent Rentenerhöhung anzubieten. Und dafür sollen wir uns wohl noch großartig bedanken? Wenn man die Entwicklung der Renten in den letzten Jahren betrachtet, haben die Rentner insgesamt das Nachsehen. Die Rente ist doch kein Geschenk; die heutigen Rentner haben während ihres gesamten Arbeitslebens kontinuierlich in das System eingezahlt. Sie haben die seinerzeitigen Renten und deren laufende Anpassung an die Preisentwicklung finanziert und zeitweilig auch schon Beiträge von 20,50 Prozent, ohne Murren, gestemmt.

Ich meine, die heutigen Rentner haben ihren Beitrag für die Gesellschaft geleistet und erwarten jetzt natürlich den Rücklauf ihrer Vorleistungen und damit eine auskömmliche der Preisentwicklung angepasste Rente, um ein würdevolles Leben im Alter führen zu können.

Wenn man bedenkt, dass Parteifunktionäre als Möchtegernbanker so ohne weiteres zweistellige Milliardenbeträge , ohne zur Verantwortung gezogen zu werden, verbrennen können, so kann ich gar nicht anders argumentieren.

Wir Millionen Rentner haben zwar keine Lobby, sollten uns aber bewusst sein, dass wir ein gewaltiges Machtpotenzial sind. Und wenn bei der letzten Bundestagswahl und so auch in Hessen einige tausend Stimmen entscheidend sein können, so sollten wir uns sehr wohl überlegen, wem wir bei der nächsten Wahl unsere Stimme geben.

Wolfgang Görlitz, Berlin-Nikolassee

Ich glaube gern, dass Herr Herzog mit seiner Pension gut auskommt. Er kann auf eine Erhöhung verzichten.

Ursula Schumacher,

Berlin-Wilmersdorf

Da Herr Herzog auch zu den Alten gehört, sollte er auf seine Privilegien als ehemaliger Bundespräsident verzichten und von seiner Pension als Bundesrichter seinen Lebensunterhalt bestreiten; was ihm bestimmt nicht schwer fallen dürfte. Hat sich Herr Herzog schon mal gefragt, wo das Geld für seine Pension herkommt! Ich glaube auch nicht, das er mit einem Rentner tauschen möchte.

Dagmar Seidel, Berlin-Wilmersdorf

Um die Jüngeren nicht weiter auszuplündern, könnte Roman Herzog 50 Prozent seiner Staatspension in einen Fond für besorgte Jungpolitiker einbringen, die um ihre Pension fürchten.

Dieter Zywicki, Speyer

Roman Herzog hat sich einen Ruck gegeben. Er rät den Rentnern, die Jüngeren nicht auszuplündern. Herr Miegel setzt in demselben Artikel noch eins drauf. Er unterstellt der älteren Bevölkerungsgruppe einen kurzen Zeithorizont, die in der Gegenwart Kasse machen will.

Eine solche Verunglimpfung der Rentnergeneration hat es seit Bestehen der Bundesrepublik noch nicht gegeben.

Johannes Weber,

Oberkrämer/OT Marwitz

Altbundespräsident Roman Herzog mag aus seiner juristischen Sichtweise recht haben, unter sozialen und menschlichen Gesichtspunkten ist es ein Tiefschlag gegen einen wesentlichen Teil unserer im Alter weniger gut bestallten Mitbürger. Solche und andere Äußerungen zeigen auch, wie weit sich die politische Klasse, die sich Erhöhungen ihrer Bezüge ganz anderer Art selbst zugesteht, von den Sorgen und Nöten derer entfernt haben, die manchen von ihnen ihren abgehobenen Lebensstandard erst ermöglichen.

Wer von dort auf die Einhaltung des Generationenvertrages pocht, muss jene,die durch ihre Aufbauleistung die Voraussetzungen für die derzeit von der Regierung postulierten satten Gewinne geschaffen haben, auch daran beteiligen. Sprich: Die Rentner müssen über das Steueraufkommen am Lebensstandard aller beteiligt werden. Solch einen Vorschlag hätte ich von unserem Altbundespräsidenten eigentlich erwartet und nicht das Herbeireden eines Generationenkonfliktes.

Alfred Dagenbach, Heilbronn

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