Leserbriefe : Der Staat subventioniert die Prostitution

„Rotes Licht, trübe Zeiten / Kunden bleiben aus - oder wollen feilschen: Das Geschäft mit der Prostitution läuft schlecht in Deutschland. Die Wirtschaftskrise erreicht Bordelle, Huren und Zuhälter“

von Hannes Heine vom 25. Juni

Die Fakten sehen anders aus. 14,5 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr werden eben nicht von 25 Euro-Huren erzielt. Das eigentliche Geschäft erfolgt längst nicht mehr auf der Straße oder in billigen Puffs, sondern in äußerst gepflegten, aufwendig eingerichteten Clubs und Studios. Die Stundensätze dieser „Damen“ liegen dort bei 200 bis 300 Euro, je nach Dienstleistung. In diesen höheren, aber zunehmend bedeutsam werdenden Segmenten verdienen die „Damen“ zwischen 10 000 und 20 000 Euro pro Monat. Kein Wunder, dass auch zunehmend Akademikerinnen diesen „Beruf“ attraktiv finden und in diese Branche wechseln. Gerade die derzeitige Wirtschaftskrise führt viele Anwältinnen, Sekretärinnen und auch Journalistinnen (ja, natürlich) in diese Branche, die seit einigen Jahren völlig legalisiert ist.

Dabei entfallen 40 Prozent der Umsätze auf den Clubbetreiber, 60 Prozent gehen an die „Damen“. Da es sich um Bargeschäfte handelt, ist es ein Leichtes, diese Beträge an der Steuer vorbeizuschleusen. Der Fiskus gibt sich mit einer Besteuerung nach dem „Düsseldorfer Modell“ zufrieden. Dabei werden je nach Bundesland zwischen zehn und 25 Euro Steuerpauschale pro Werktag fällig. Reicht die Prostituierte keine Steuererklärung mehr ein, ist damit die gesamte Steuer – Umsatz-, Einkommen- und Gewerbesteuer – abgegolten. Damit subventioniert der Staat die Prostitution, denn derart niedrige Steuersätze gibt es nirgendwo sonst. Jeder ehrliche Gewerbetreibende, der ordentlich seine Bücher führt und Steuererklärungen einreicht, kann von derart niedrigen „Pauschalen“ nur träumen.

Die früheren Zuhälter sind Immobilieninvestoren geworden, die das Haus, die Villa, die Etage, in der der Club geführt wird, besitzen. Das an der Steuer vorbeigeschleuste Schwarzgeld wird mit diesen Immobilieninvestitionen „gewaschen“. Auch die eine oder andere „Dame“ kann sich nach einigen Jahren Arbeit eine Villa, zumindest aber eine Eigentumswohnung leisten und dadurch ihr Schwarzgeld legalisieren.

Ein Rückgang von zehn Prozent gegenüber anderen Branchen ist gar nichts bei den Margen, die dort verdient werden. Die Wahrheit ist: Die Prostitutionsbranche ist die einzige felsenfest stehende Bastion unserer Marktwirtschaft, faktisch steuerfrei und zunehmend attraktiv für junge, gebildete Frauen. Im Übrigen: Wenn Herr Nußbaum als Finanzsenator ernsthaft Geld einsammeln will, sollte er verstärkt bei den Clubs, Studios und Edelbordellen prüfen. Dort ist noch einiges zu holen.

Richard Kühnen, Berlin-Zehlendorf

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