Leserbriefe : Der Staat zieht sich zurück

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„Früher ins Schwimmbecken“

vom 1. August 2006

Auch durch die sinnlose Abschaffung der (freiwilligen) Vorschulen hat sich die Schwimmmisere verschärft. Der Schwimmunterricht ist für die Schulen natürlich unglaublich aufwändig und bindet viel Zeit und Organisation. Aber vermutlich haben sich unsere obersten Schulorganisatoren insgeheim gefreut, durch die fehlenden Vorschüler Schwimmstunden und somit Schwimmhallenzeiten einzusparen, und bisher hat ja auch niemand darüber gesprochen.

Zudem tut man ja systematisch alles, um die Möglichkeiten des Schwimmens nach und nach im Prinzip durch lange Anfahrzeiten so unattraktiv zu machen, dass eigentlich keiner mehr Zeit hat, durch halb Berlin zu karren, um schwimmen zu gehen beziehungsweise die Kinder zu einem Schwimmkurs zu bringen. Das jüngste Beispiel ist das Bad in der Finckensteinallee. Nun ist das Bad erst einmal wohl für zwei Jahre geschlossen.Wie gesagt, man schafft es in Berlin, alles zu tun, um das Schwimmenlernen zu verhindern. Mich ärgert daran unglaublich, dass ich den Eindruck habe, unser Staat zieht sich nach und nach aus allen originären Aufgaben, die ihm obliegen, zurück. Und meiner Auffassung nach gehören dazu zum Beispiel die Unterhaltung von Schwimm- und Sporthallen, Schulen, Kitas, die Unterhaltung der Straßen und des öffentlichen Nahverkehrs und vieles mehr. Es wäre zu wünschen, dass meine Steuergelder nicht unbedingt in der Weltgeschichte verstreut würden, sondern tatsächlich der Gemeinschaft zugute kommen.

Marina Schmidtchen,

Berlin-Lichterfelde

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