Leserbriefe : Der Staat zieht sich zurück

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Beiträge zu Vandalismus in Berlin

In der Diskussion über die Zustände in den Verkehrsmitteln Berlins gehen die Schuldzuweisungen meist an ausländische (auch bisweilen deutsche) Jugendliche bzw. deren Eltern und an die Schulen. Dabei wird die Hauptursache leicht übersehen. Es ist der Rückzug des Staates, der Behörden und der Verkehrsbetriebe aus ihren öffentlichen Aufgaben – bei gleichzeitigen ständigen Gebührenerhöhungen. Früher waren Busse und Bahnen nicht nur mit Busfahrern, sondern auch mit Schaffnern besetzt, die für Ordnung sorgten und deren bloße Anwesenheit gegenwärtige Exzesse verhinderte. Heute mutet man den Buslenkern zu, den Fahrscheinverkauf und die Aufsicht mitzuübernehmen. Eine Überlastung auf Kosten der Verkehrssicherheit. Kein Wunder, dass die überforderten Fahrer oft unwirsch auf Fragen der Fahrgäste und mit Wegsehen auf die Vorgänge hinter ihrem Rücken reagieren. Unsere Sparkommissare rechnen sich zwar die personelle Ausdünnung als Verdienst an, übersehen aber, dass die Schäden durch Vandalismus infolge mangelnder Aufsicht den Einsparungseffekt bei weitem übertreffen. Gleiches gilt für die eingesparten Parkwächter in den verdreckten städtischen Anlagen und für die mangelnde Präsenz nichtmotorisierter Polizisten in den Straßen Berlins. Unseren Stadtvätern sei ein Besuch in Tokio empfohlen, um herauszufinden, weshalb die japanische Hauptstadt mit ihren zahlreichen gläsernen Polizeirevieren als eine der sichersten und saubersten Hauptstädte der Welt gilt. Wir haben genügend Arbeitslose, die als Unterstützungsempfänger zur Übernahme öffentlicher Arbeiten verpflichtet wären. Leider sind unsere Behörden zu bequem oder zu feige, solche Pflichten einzufordern.

Dr. Karl-Heinz Brinkmann,

Berlin-Kladow

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