Leserbriefe : Deutsch-polnische Aussöhnung fortsetzen

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„Wir lassen uns nicht provozieren“ vom 6. August 2005

Das Interview mit Frau Steinbach lässt trotz der intensiven Diskussion dieses Themas in den letzten beiden Jahren die notwendige Empathie mit den Leiden des polnischen Volkes von 1939 bis 1945 vermissen, die eine Voraussetzung für eine polnische Akzeptanz des von ihr propagierten Vorhabens wäre. Offensichtlich ist Frau Steinbach nicht bereit, ihr ursprüngliches Konzept so zu ändern, dass das deutschpolnische Verhältnis nicht erneut großen Belastungen unterzogen würde. Ihr Satz „Wir wissen, wer den Weltkrieg begonnen hat“, der die Worte „Wir Deutschen“ vermeidet, reicht nicht aus, das Maß an Ausgewogenheit zu gewährleisten, das die Polen, nach allem, was die Deutschen ihnen 1939 bis 1945 mit Gewalt und Vertreibungen angetan haben, mit Recht von uns erwarten. Im deutsch-polnischen Jahr hätten beide Völker eine andere Haltung verdient als die, die in dem Interview mit Frau Steinbach zum Ausdruck kommt. Als Schlesier und Vertriebener distanziere ich mich ausdrücklich von dem Vorhaben, das den Bemühungen der vielen und nicht zuletzt des Tagesspiegels, die sich über Jahre für die deutsch-polnische Aussöhnung eingesetzt haben, zuwiderläuft. Ich kann nur hoffen, dass sich das Vorhaben von Frau Steinbach so nicht durchsetzen wird.

Dr. Hermann Frhr. v. Richthofen, Botschafter a.D., Berlin-Schöneberg

Der Verfasser war u.a. deutscher Botschafter in Großbritannien und Ständiger Vertreter der Bundesrepublik im Nato-Rat und zuvor unter den Kanzlern Schmidt und Kohl mehrere Jahre im Kanzleramt für die Deutschlandpolitik zuständig. Tsp

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