Leserbriefe : Deutschland braucht eine wirksamere Konfliktforschung

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Betrifft: Bundesregierung muss sich in Konfliktforschung profilieren, nicht im Krieg

Jeder Staat hat das Recht, einen Angriffskrieg gegen einen anderen Staat abzulehnen. Deutschland hat beide Erfahrungen: Zum einen war es als Verbrecherstaat nicht nur eine Bedrohung für die ganze Welt, sondern hat unsägliches Leid über sie gebracht. Zum anderen haben die Deutschen Krieg, Bombardierung und Vertreibung miterlebt. Für die Betroffenen war die Zerstörung des World Trade Centers so schrecklich wie die letzten Kriegstage in Dresden oder in anderen deutschen Städten. Aus diesen Erfahrungen heraus hat die Bundesregierung auch moralisch das Recht dazu, sich an der Diskussion um einen Irak-Krieg mit einer anderen Meinung als die der einzigen Weltsupermacht zu beteiligen.

Die amerikanische Regierung kann uns nicht weismachen, dass ein Irak-Krieg, selbst wenn er gewonnen würde, alle Probleme löst. Man kann Kriege nicht mehr wirklich „gewinnen“. Es wäre in der Tat abenteuerlich, wenn die USA nach den eigenen Niederlagen von Vietnam bis Afghanistan die Welt an den Rand eines zeitlich nicht mehr einzugrenzenden Weltkrieges bringen würden. Wohl wissend, dass die Bedrohung auch nach einem solchen Krieg durch A-, B- und C-Waffen in der Hand von „Schurken-Staaten“ nicht vollständig beseitigt wäre.

Die Bundesregierung sollte sich nicht wegen fehlender Absprachen in den Schmollwinkel stellen lassen. In den vergangenen Wochen ist offensichtlich geworden, dass die USA nicht daran denken, ihre Verbündeten in Entscheidungsprozesse einzubeziehen. Die Bundesregierung sollte jetzt endlich einen Schritt weitergehen und die Weichen stellen: Wir brauchen in Zukunft eine noch wirksamere Konflikt- und Friedensforschung in Deutschland. Sie muss eine staatstragende Rolle bekommen, das heißt, sie muss auch tatsächlich in die Entscheidungen der Außen - und Sicherheitspolitik einfließen und in einer europäischen Außenpolitik die entscheidende Rolle spielen.Bernd Herzog-Schlagk, Berlin-Spandau

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