Leserbriefe : Deutschland braucht (s)einen Obama

Zum Besuch des designierten

US-Präsidentschaftskandidaten

Barack Obama

Es spricht nicht für die Souveränität des designierten amerikanischen Präsidentschaftskandidaten der Demokraten Barack Obama, wenn er als Gast in einem Land mit Meinungsfreiheit keine Plakate oder Transparente zu seiner Rede gestattet.

Es war auch nicht die erhoffte große mitreißende Rede, sondern eine Aneinanderreihung von historischen Ereignissen und Visionen von einer besseren Welt. Bei seinen Ausführungen zum Transatlantischen Verhältnis wurde aber deutlich, dass Deutschland unter einem Präsidenten Obama mehr in den von Amerika angeführten Anti-Terror-Kampf involviert wird. Es wäre jetzt interessant zu erfahren, welche Akzente der republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain bei einer Rede in Berlin setzen würde. Eine Einladung wäre angebracht.

Dr. Hans-Dieter Seul,

Berlin-Lichterfelde

Barack Obama ist in der Tat eine beeindruckende Persönlichkeit. Er macht den Eindruck, als würde er Probleme tatsächlich anpacken. Einen Politiker mit einem solchen Charisma und solcher Tatkraft könnten wir in Deutschland auch gut gebrauchen. Hier bewegt sich leider viel zu wenig. Man hat den Eindruck, dass es unseren Politikern ganz überwiegend darum geht, sich eigene Vorteile zu sichern. Die Probleme des Landes werden kaum einmal ernsthaft angegangen. Aber ein deutscher Barack Obama wird wohl ein Wunschtraum bleiben.

Renate Kappe, Berlin-Friedrichshain

Der Hype um den Kandidaten-Kandidaten der Amerikaner scheint mir doch ein wenig überzogen. Glaubt denn tatsächlich die halbe Welt, dass von den USA mit Barack Obama an der Spitze eine völlig neue Außenpolitik zu erwarten ist? Die Amerikaner würden auch dann weiterhin mit allen Mitteln, die sie haben, ihre Interessen in der Welt vertreten, wenn Obama zum Präsidenten gewählt würde. Und militärische Mittel gehören beim mächtigsten Staat der Erde nun einmal dazu. Warum engagieren sich die USA denn in Afghanistan und im Irak? Um den Frieden auf Erden zu sichern? Das behaupten sie zwar, in Wahrheit geht es aber vor allem darum, sich Einfluß in der jeweiligen Region zu sichern, denn dort gibt es: Rohstoffe. Und die werden immer knapper.

Christian John, Berlin-Buckow

Erst der Dalai Lama, jetzt Barack Obama und nächstes Jahr Benedikt XVI. Berlin erlebt einen Ansturm von Erlösern und Heilsbringern. Die Stadt richtet Fanmeilen ein, die Berliner feiern, tanzen und jubeln. Wir scheinen es in den Zeiten von Umwelt- und Energiekrisen, dem Kampf der Kulturen, wirtschaftlichen Niedergangs und dräuender Atomkriege nötig zu haben. Wer weiß, wozu es gut ist …

Volker Schoegel, Berlin-Reinickendorf

Ich war dabei, als Barack Obama seine große Rede an der Siegessäule hielt. Ich kam früh, stand weit vorne und freute mich, all die Menschen zu sehen, die, wie ich, dem großen Mann der Herzenspolitik ihr Hoffen und Vertrauen kundtun wollten. Auch freute ich mich auf die lockeren Gespräche, die spontan entstanden.

Doch wurden wir zum Schweigen verdonnert, als dröhnend „Musik“ den Platz beschallte, mit einer Lautstärke, die hätte glaubhaft machen können, dass wir alle nur widerwillig die Disco verlassen hätten. So stand ich knapp zwei Stunden die Zeigerfinger gegen die Ohren gedrückt und fragte mich, mit welcher Gattung von Ratten wir verwechselt wurden, denn der Rattenfänger von Hameln nutzte bloß eine kleine Flöte, um das Rattenvolk zu bändigen. Jedenfalls: die Rede war großartig, die Beschallung wie ein lästiger Schauer abgeschüttelt. Offen bleibt nur die Frage, warum uns das Warten versauert wurde.

Elisabeth Hardorp, Falkensee

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