Leserbriefe : Deutschlands Ausscheiden bei der EM ist keine Tragödie

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Betrifft: „Deutschland fürchtet sich“ vom 24. Juni 2004

Was wird die Presse wieder von sich geben? Angefangen vom unfähigen Trainer, über die Versager, die den Tschechen erst das 1:1 und dann auch noch das 2:1 ermöglicht haben, bis hin zur Gesamtleistung der Mannschaft. Alles wird dabei sein. Manches sogar zu Recht.

Aber mal ehrlich, hat denn wirklich einer angenommen, dass wir es diesmal schaffen? Es liegt sicher nicht am Können. Die Einstellung zum Spiel, die Angst zu verlieren oder auch die Angst vor der schlechten Presse wird zum Ausscheiden beigetragen haben. Wenn das aber der Fall ist, dann haben wir alle den Sinn von Sport aus den Augen verloren. Klar geht es hier ums Geld und um die Reputation. Im Vordergrund sollten Spaß und die Freude am Spielen stehen. Wie dem auch sei, es gibt glücklicherweise zwei Dinge, die uns allen Trost spenden sollten: 1. Wir waren wenigstens dabei und 2. am Ende gibt es nur einen Sieger. An die anderen Teams wird man sich so oder so nicht mehr erinnern. Fazit: Nehmen wir den Spott der anderen Nationen gelassen hin und freuen uns für die, die noch die Möglichkeit besitzen, Sieger des Turniers zu werden.

Knuth Hartlieb, Berlin-Zehlendorf

Wenn vor der EM jemand gesagt hätte, dass ein deutscher Trainer seine Mannschaft natürlich ins Viertelfinale bringt, dann hätte jeder nur an Völler, aber nicht an Rehagel gedacht.

Karl-Ernst Albert, Berlin-Charlottenburg

Betrifft: „Holland? Unentschieden? Ein Anruf bei der EM-Hotline der ARD“ vom 22. Juni 2004

Kompliment für die amüsante Gesprächs-Protokollierung in Ihrer gestrigen Ausgabe. Das traf die Sache auf den Punkt und bedurfte keiner weiteren Kommentierung. Ich selbst habe auch schon mit den Leuten dieser „Hotline“ telefoniert. Es war jämmerlich und sinnlos. Die meistgenannte Antwort meines offensichtlich nichtsahnenden Gesprächspartners lautete: „Dazu kann/darf (!) ich Ihnen keine Auskunft geben.“ Danke auch für den Hinweis auf die versteckten Kosten eines solchen Gesprächs und deren unklaren Verwendungszweck. Eine Unsitte hat sich da ausgebreitet! Wenn so etwas die „Privaten“ machen, o. k., aber unter „öffentlich-rechtlichem Auftrag“ verstehe ich etwas anderes.

Ansgar Janke, Berlin-Schöneberg

Betrifft: „Deutsche Paare – Das Freundschaftsspiel“ vom 20. Juni 2004

In dieser langjährigen Beziehung ist der Respekt nicht verloren gegangen, aber wir Zuschauer achten nicht nur auf gesprochene Worte, sondern auch auf die Augen – und somit glaube ich nicht, dass diese Beziehung noch lange anhalten kann. Sie wird zu anstrengend, und es bietet sich die Frage an: Wer hält länger durch? Da Fußballübertragungen nicht jeden Tag stattfinden, denke ich, dass Herr Delling die besseren Karten hat – bedingt durch sein Alter und sicherlich auch, weil er sich seine Position hart erarbeitet hat. Allerdings ginge später der Respekt für Herrn Delling – verursacht durch eine zweifelhafte Begründung der Trennung – verloren. Ich finde solche Karrieremenschen zwar interessant, aber nur für eine begrenzte Zeit. Für mich als Zuschauer kann man sich auch in Profilierungssucht steigern, und es ist schlicht und einfach und ergreifend anstrengend. Wer hat das nötig? Herr Netzer nicht!

Eva-Maria Stahlhut, Berlin-Neukölln

Betrifft: „Nur noch zwei Jahre“ vom 25. Juni 2004

Ich wundere mich nicht, dass sich unsere Spieler so erfolgreich zum frühen Beginn ihres „verdienten“ Sommerurlaubs gespielt haben. Wer schießt denn in unserer „deutschen“ Bundesliga die Tore? Es sind doch nur wenige Landsleute unter den Gladiatoren dieser Unterhaltungsart.

Gerhard Bubel, Berlin-Moabit

Eine Katastrophe, mit deren Folgen Deutschland wohl noch lange zu kämpfen haben wird, erschütterte am Mittwoch unser nun in Schmerz und Trauer geeintes Vaterland. Millionen Landsleute in Ost und West vergessen all die anderen existenziellen Bedrohungen wie: Zu wenig Arbeit im Wohlstand und zu viele Alte im Ruhestand ergibt Wohlstand in schlechterem Zustand usw. Auch wer der Tragödie nicht beiwohnte, bleibt vom Schock nicht verschont. Denn nicht nur auf allen Kanälen wird pausenlos davon berichtet, auch bei allen Gesprächen gibt es nur ein Thema.

Ronny Lorenz, Eppendorf

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