Leserbriefe : Dialog hilft Vorurteile abbauen

Zur Berichterstattung über

den 60. Geburtstag Israels

Das breite Spektrum der Artikel und Interviews zum 60. Geburtstag des Staates Israel entspricht ganz dem Anspruch des Tagesspiegels „rerum cognoscere causas“, also den Dingen auf den Grund zu gehen. Dafür Dank und Respekt! Am nachhaltigsten empfinde ich Daniel Barenboims Einschätzungen „Meine Heimat, eure Heimat“ vom 10. Mai 2008. Seine Analyse des Nahostkonflikts bringt in verblüffend nachvollziehbaren Argumenten auf den Punkt, wie letztlich überlebensnotwendig es ist, sich in die jeweils andere Seite hineinzufühlen. Was die Palästinenser betrifft, tut das der Israeli mit viel menschlicher Wärme und entwaffnender Zivilcourage: „Es macht mich wahnsinnig , zu sehen, wie viel Unrecht wir Juden täglich begehen und wie sehr wir damit die zukünftige Existenz Israels gefährden.“ und: der Widerstand der Palästinenser sei „absolut nachvollziehbar und verständlich. Nicht die Gewalt. Aber ihr Nein.“

Würde ich, derselbe Jahrgang wie Barenboim, aber eben als Deutscher bei aller beteuerten Freundschaft so argumentieren, müsste ich dennoch auch noch heute mit absurden Antisemitismusvorwürfen rechnen. Deshalb werden Stimmen wie die Daniel Barenboims immer wichtiger. Barenboim kann nicht zuletzt durch ein höchst praktisches Projekt zur Heilung überzeugen: sein wunderbares West-Eastern-Orchester - mit Instrumenten statt Waffen, mit gemeinsamem Musizieren und im Dialog statt der monologischen Pflege gegenseitiger Vorurteile.

Hartmut Walsdorff, Berlin-Lankwitz

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