Leserbriefe : Die ältere Generation möchte gebraucht werden

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Betrifft: Die Belastung der Rentenkassen durch den vorzeitigen Ruhestand

Aus meiner Sicht ist das Problem der vorzeitigen Rente gravierend und die entscheidende Ursache für die Schwierigkeiten. Das System ist nur stabilisierbar, wenn mehr Einnahmen generiert, Ausgaben gesenkt und die Inanspruchnahme reduziert werden. Das heißt, es müssen Kompromisse gefunden werden, die es gestatten, bis zum 65. Lebensjahr zu arbeiten, und diese müssen für alle Beteiligten attraktiv sein. Ein Denkansatz ist ein Mix aus Anreizen für alle.

1. Die Arbeitgeberbeiträge zur Rentenversicherung fallen mit 55 oder 57 Jahren des Arbeitnehmers weg – das ergibt eine attraktive Kostenentlastung für den Arbeitgeber.

2. Der Arbeitnehmer zahlt ab dem gleichen Zeitpunkt einen geringeren Lohnsteuersatz – damit ist es ihm leichter, in einer niedrigeren Entlohnung ab einem bestimmten Alter zu arbeiten, ohne Realeinkommensverluste hinnehmen zu müssen.

3. Durch nicht Inanspruchnahme der Rentenversicherung vor dem 65. Geburtstag spart dies Ausgaben, so dass Einnahmekürzungen aus den Punkten 2 und 3 kompensierbar wären.

Wenn dies alles durch einen dreiseitigen Vertrag (Arbeitgeber, Arbeitnehmer, Rentenversicherung) für bestimmte Zeiten festgeschrieben würde, dann gäbe es auch noch eine gewisse Planungssicherheit für alle. Dies vor dem Hintergrund, dass wir ab 2010 auch verstärkt ältere Arbeitnehmer benötigen, wäre zumindest eine Diskussion und Detailprüfung wert.

Mir ist klar, dass ganz so einfach die Lösung nicht sein wird. Aber in schwierigen Zeiten die Gesellschaft bewusst zu spalten und dabei von Solidargemeinschaft zu reden, das treibt die Enttäuschten genau in die rechte Ecke, die auch keine Lösung hat, aber das entsprechende Rattenfängervokabular. Die Jungen brauchen eine Perspektive für ihre Alterssicherung und die Älteren solange wie möglich das Gefühl, dass diese Gesellschaft sie braucht, und anschließend ihr Lebensabend finanziell gesichert ist.

Es darf für alle keine Tabus geben, aber das darf nicht zu Grabenkämpfen der Generationen, des Staates und der sozialen Sicherungssysteme führen. Dies wäre für die Republik eine politische Katastrophe und ein Eingeständnis, dass die soziale Marktwirtschaft nur in wirtschaftlichen Expansionszeiten funktioniert.

KlausDieter Busche,

Berlin-Lichtenberg

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