Leserbriefe : Die Alten müssen auf die Straße!

Zur Medizinseite vom 16. Juli

Das Tagebuch eines Gerichtsmediziners hat mich deshalb erschüttert, weil sich erneut bestätigt, dass alte Menschen in unseren Pflegeheimen wie der letzte Dreck behandelt werden: Todesursache einer 84-Jährigen ist Blutvergiftung, weil die Frau „in ihrem eigenen Gestank“ gelegen hat, sprich die Frau litt an eitrigen Wunden, an Pilzbefall am ganzen Körper, verfaultem Fleisch etc.

Wo bleibt hier die Würde des Menschen? Hat ein Mensch, der zwei Weltkriege miterlebt und unser Land mitaufgebaut hat, das verdient? Warum wird ein Pflegeheim nicht sofort geschlossen sondern, sondern erst müssen polizeiliche Ermittlungen erfolgen? Kriminellere Handlungen gibt es doch kaum, das ist Mord in Raten! Es wird Zeit, dass wir Alten auf die Straße gehen und europäische Standards für unsere spätere Versorgung einfordern, damit die Kluft zwischen der Versorgung von Tieren (siehe Knut) und uns Menschen nicht noch krasser wird.

Herta Singh, Berlin-Hermsdorf

Gefreut habe ich mich, auch als ehemaliger Vizepräsident der FU Berlin, zu lesen, dass die Qualität der Arbeit, wie mein Nachfolger sagt, „so gut wie nie“ sei. Geärgert hat mich allerdings zu lesen, dass mein Nachfolger vor allem damit beschäftigt sei, „Ruhe in den Laden“ zu bringen. Wenn Unruhe im Zusammenhang mit dem Wechsel in der Leitung entstanden ist, dann weil die Unruhe von außen hineingebracht worden ist (z. B. Auswechselung der Schlösser noch zu meiner Amtszeit, Auswechselung des Institutsschilds mit dem Namen meines Nachfolgers noch zu meiner Amtszeit). In der Presse war darüber ja mehrfach zu lesen. Aber nun zu dem „Laden“. Ich habe keinen Laden übergeben, sondern zwei funktionierende Institute mit hochmotivierten Mitarbeitern, nämlich das Landesinstitut für gerichtliche und soziale Medizin Berlin und das Institut für Rechtsmedizin der Charité – Universitätsmedizin Berlin, letzteres entstanden aus den beiden Universitätsinstituten (FU und HU). Diese Fusion war alles andere als einfach. Nach fast 40 Jahren Tätigkeit in der Rechtsmedizin, davon 25 Jahre in leitender Position, möchte ich meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sagen, dass ich unsere Arbeit, die schwer genug war, nicht als „Ladenarbeit“ verstanden wissen möchte. Und wenn mir zweimal die Ehrendoktorwürde verliehen worden ist, (Semmelweis-Universität Budapest und Universität Wroclaw/Breslau), dann weil unsere Arbeit auch im Ausland geschätzt worden ist; ich sage bewusst unsere Arbeit.

Prof. Dr. Volkmar Schneider,

Berlin-Lichtenrade

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