Leserbriefe : Die alten Zeiten sind glücklicherweise vorbei

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„Lungen pfeifen lassen“

vom 17. Mai 2006

Selbstverständlich hat auch ein Professor für Medizinische Mikrobiologie – zumal als Repräsentant der angesehenen medizinischen Fakultät in Halle – das Recht, sich in die Fachdiskussion um die Behandlung asthmakranker Kinder einzubringen. Sofern er dies freilich in der Öffentlichkeit tut und nicht auf medizinischen Fachkongressen, muss er sich in besonderer Weise seiner Verantwortung für die vielen Betroffenen im Lande und deren Eltern bewusst sein.

Die zwei von Professor Kekulé angesprochenen jüngsten Veröffentlichungen aus dem „New England Journal of Medicine“, die beide die Möglichkeiten und Grenzen der Frühbehandlung asthmakranker Kinder zum Inhalt haben, stellen außerordentlich wichtige Publikationen dar, die die Fachdiskussion ganz sicher enorm stimulieren werden.

Sie werden hoffentlich dazu führen, dass Ärzte künftig noch kritischer Risiken und Nutzen einer medikamentösen Langzeitbehandlung bei Kindern gegeneinander abwägen. Als Kinderarzt, der inzwischen 35 Jahre lang die Behandlung asthmakranker Kinder in Deutschland mitentwickelt hat, halte ich es für einen großen Segen, wenn die Möglichkeiten einer antientzündlichen Langzeitbehandlung auch für junge asthmakranke Kinder heute genutzt werden können.

Glücklicherweise sind die alten Zeiten vorbei, in denen Kinder aller Altersstufen mit Asthma bronchiale ganze Stationen in Kinderkrankenhäusern füllten. Die allermeisten von ihnen können heute ambulant betreut werden, besuchen Kindergarten und Schule, spielen und treiben Sport wie jeder Gesunde. Dies ist ganz sicher eine der großen Errungenschaften der Kinderheilkunde in den letzten Jahrzehnten gewesen, für die wir dankbar sind.

Prof. Dr. Ulrich Wahn, Direktor

der Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt

Pneumologie u. Immunologie, Sprecher des Allergie-Centrums-Charité

Universitätsmedizin Berlin

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