Leserbriefe : Die Arbeitgeber sind Wendehälse

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Betrifft: „In Deutschland fehlen 132 000 Lehrstellen“ vom 27. Juli 2002

Ihr Artikel gibt aufschlussreich Auskunft über die Wendigkeit von deutschen Arbeitgebervertretern. Schlugen sich in ihrem Minderheitenvotum zum Berufsbildungsbericht 2002 die Arbeitgeber noch auf die eigenen Schultern, in dem sie eine „hohe Ausbildungsbereitschaft der Wirtschaft“ konstatierten, geben sie heute tatsächlich zu, dass die Betriebe zu wenig Ausbildungsplätze bereit stellen. Die der Bundesanstalt für Arbeit (BA) gemeldeten betrieblichen Ausbildungsstellen sind gegenüber Juni 2001 im Bundesgebiet West um 6,1 Prozent und im Bundesgebiet Ost sogar um 8,2 Prozent zurückgegangen.

Wenn die Arbeitgeber wenigstens das Niveau der Ende September 2001 der BA gemeldeten betrieblichen Ausbildungsstellen (570 268) erreichen wollen, müssten in den Monaten Juli, August und September rund 77 000 Stellen gemeldet werden. Im selben Zeitraum des Vorjahres wurden den Arbeitsämtern gerade mal knapp 43 000 Stellen zur Verfügung gestellt. Dass eine Steigerung des Angebotes um rund 78 Prozent gegenüber dem Vorjahr gelingt, wäre im Sinne der noch nicht vermittelten Bewerberinnen und Bewerber zu wünschen, doch ob dies realistisch ist, ist darf bezweifelt werden.

Dass nun auch beim DIHK über- und außerbetriebliche Ausbildung als „Warteschleife in die nächste Qualifizierungsmaßnahme“ bezeichnet wird, belegt, wie unglaubwürdig Arbeitgeberorganisationen sein können. Vor wenigen Jahren wurden solche Aussagen der Gewerkschaften von den Arbeitgebern noch als ideologisch belastet zurückgewiesen. Diese Notmaßnahmen sind aber nur notwendig, weil die Arbeitgeber noch immer ihrer Verpflichtung nicht nachkommen, ein auswahlfähiges Angebot an betrieblichen Ausbildungsplätzen zur Verfügung zu stellen.

Egbert Biermann (Mitglied des

Bundesvorstandes der Christlich-

Demokratischen-Arbeitnehmerschaft),

Berlin Prenzlauer-Berg

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