Leserbriefe : Die Bahn hat Berlin nicht überrollt

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„Fernbahnhof Zoo ist im neuen Fahrplan stillgelegt“ vom 17. Oktober 2005

Als regelmäßiger Nutzer des Bahnhofs Zoo kann ich nur sagen: Berlin braucht dringend eine neue „Eingangshalle“. Den nur noch peinlichen Mief der 50er Jahre wird der Bahnhof Zoo auch mit „Body Shop“ und „Burger King“ nicht los – und „weltstädtische“ Ansprüche kann man hier wirklich nicht einlösen.

Ludwig von Reiche, BerlinWannsee

Die Bahn stellt einen Bahnhof der Superlative mitten in die Stadt und baut einen hochmodernen Eisenbahnknoten, der seinesgleichen sucht, gleich noch drumherum. Der Stadt Berlin sind hierbei keine nennenswerten Kosten entstanden. Der Senat selbst hat das Pilzkonzept 1992 mitbeschlossen und seit 14 Jahren ist klar, dass an der Stelle des ehemaligen Lehrter Bahnhofs ein Zentralbahnhof entsteht.

Dazu kommt, dass die Eröffnung ursprünglich im Jahr 2000 geplant war, Berlin also noch sechs Jahre zusätzlich Zeit hatte, diesen neuen Riesenbahnhof in das Nahverkehrsnetz zu integrieren. Zur Eröffnung des neuen Lehrter Bahnhofes wird es jedoch nur eine alberne Stummel-U-Bahnlinie U55 zum Brandenburger Tor geben, die nach der Fußball-WM auch gleich wieder geschlossen wird und deren Weiterbau zum Alexanderplatz in den nächsten Jahren unwahrscheinlich ist. An eine Erweiterung nach Westen zur Turmstraße und zum Bahnhof Jungfernheide, wie im 200-kmPlan von Senat und BVG vorgesehen, ist zurzeit erst gar nicht zu denken. Ferner gibt es die Aussicht auf den Anschluss durch eine Straßenbahn, die in drei Jahren vielleicht einmal den Sprung vom Nordbahnhof zum Lehrter Bahnhof schaffen wird. Von der aus Kostengründen begrabenen S-Bahn-Verbindung Wedding-Lehrter Bahnhof-Westhafen hört man heute nirgendwo mehr etwas. Als Gesamtleistung nach 14 Jahren ist dies mehr als peinlich und das Versagen liegt beim Land Berlin und nicht bei der Bahn, da Ausbau und Finanzierung des ÖPNV Landessache sind. Wenn die Anbindung eines Zentralbahnhofes verschlafen wurde, sind die entrüsteten Reaktionen und halbherzigen Proteste nur noch traurig. Andere Großstädte hätten ihr Bestes gegeben, um von einem solchen Vorzeigeprojekt zu profitieren.

Dominik Eckardt, Berlin-Wedding

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