Leserbriefe : Die Beobachtungen eines Beamten sind noch kein OECD-Bericht

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Betrifft: „Die deutsche Schule ist von gestern“ vom 4. Dezember 2003

Offensichtlich lag der Autorin der Vermerk des deutschen Koordinators der OECDLehrerstudie vor, der lediglich stichwortartig skizzierte Beobachtungen über den Verlauf des Besuchs enthält. Frau Schubert beruft sich in ihrer Darstellung demgegenüber auf ein „Expertenprotokoll, das dem Tagesspiegel vorliegt“. In dem Artikel wird nur sehr unvollständig und einseitig über den internen Vermerk berichtet. Der Vermerk beruht lediglich auf einer subjektiven Wahrnehmung über Äußerungen von Mitgliedern der OECD-Expertengruppe über den Besuchsverlauf. Der Beamte selbst stellt fest, dass seine Beobachtungen „keineswegs die endgültigen inhaltlichen Aussagen“ der OECD-Experten darstellen. Die OECD hat in einer am 4. Dezember verbreiteten Presseerklärung klargestellt, dass die zitierten Aussagen nicht dem OECD-Bericht entstammen und weder von der OECD noch von OECD-Prüfern autorisiert worden sind. Der Bericht der OECD wird erst im Frühjahr 2004 fertig gestellt sein. Dessen ungeachtet wird in dem Artikel mehrfach der Eindruck erweckt, es handele sich bei der Quelle um ein offizielles OECD-Dokument, etwa in der Unterzeile „Internationale Experten fällen in Studie ein vernichtendes Urteil: Das System bremst selbst hoch engagierte Lehrer“. Jedoch wird an keiner Stelle erwähnt, dass es sich bei der Quelle um die subjektive Wiedergabe eines Landesbeamten gehandelt hat. Der Artikel hat damit zu einer verzerrten öffentlichen Wahrnehmung noch vor Erscheinen des Prüferberichtes geführt.

Prof. Dr. Erich Thies, Generalsekretär der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland

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