Leserbriefe : Die Bundespräsidentenwahl und die Mehrheit

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Betrifft: „Köhler will ein Deutschland der Ideen“ vom 24. Mai 2004

Der mit knapper Mehrheit gewählte Bundespräsident verdankt sein Amt den FDP und CDU-Stimmen und nicht dem Volk. Eine direkte Volkswahl des Bundespräsidenten hätte bestimmt erstmalig in der Geschichte der Bundesrepublik eine Frau in dieses Amt gewählt.

Albert Alten, Wernigerode

Betrifft: „Wer ist eigentlich Gesine Schwan?“ vom 28. Mai 2004

Ich möchte Sie darauf hinweisen, dass Gesine Schwan keineswegs nur eine lachende Frau ist, die „immer verliert“.

Bei den Recherchen für Ihre Darstellung der Bundespräsidentschaftskandidatin ist Ihnen offenbar entgangen, dass Gesine Schwan eine hochanerkannte Politologin ist, die mit ihrer Arbeit wegweisende Maßstäbe gesetzt hat für den Umgang der Deutschen mit ihrer Geschichte. Mit der Studie „Politik und Schuld“ war sie maßgeblich beteiligt an dem In-Gang-Kommen eines neuen Geschichtsbewusstseins in der Forschung zum Nationalsozialismus und dessen Folgen für die demokratische Bewusstseinsbildung der späteren Generationen. Daneben leitet sie eine der anerkanntesten Universitäten in Deutschland mit Mut und Visionen für ein tolerantes Europa. Eine Frau wie Gesine Schwan hat es durchaus verdient, von einer meinungsführenden Zeitung mit mehr Respekt behandelt zu werden.

Nadine Seiffert, 26, Studentin UdK-Berlin, Berlin-Treptow

Betrifft: „Filbinger – ganz am Rande“ vom 24. Mai 2004

Mit einer Stimme mehr als erforderlich ist Horst Köhler zum Bundespräsidenten gewählt worden. Mehrheit ist Mehrheit. Mehrheit ist Mehrheit? Diese eine Stimme kommt vom Richter a.D. und Ministerpräsidenten von Baden Württemberg a.D, Hans Filbinger (CDU). Eine skandalöse Situation, die der gewählte Bundespräsident nicht zu vertreten hat. Verantwortlich sind die Abgeordneten aller Fraktionen des Landtages von Baden Württemberg, die diese Peinlichkeit, diese Beleidigung für unsere Demokratie verursacht haben. Verantwortlich sind die Bundesvorstände der Parteien, deren Warnmechanismen nicht funktioniert haben oder nicht funktionieren sollten. Es bleibt abzuwarten, wer die Verantwortung übernimmt.

Peter Senft, Berlin-Dahlem

Betrifft: „Merkel: Köhler ist ein Zeichen gegen Rot-Grün“ vom 23. Mai 2004

Ich kann nicht erkennen, dass Frau Merkel einem Regierungswechsel näher gekommen ist. Bei einem solch knappen Ergebnis liegt es nahe zu sagen, dass Frau Merkel ihren Laden nicht besonders im Griff hat.

Friedrich W. Busekrus, Berlin-Steglitz

Mit der Wahl Köhlers zum Bundespräsidenten hat Frau Merkel ihre Fähigkeiten zur Bundeskanzlerin bewiesen.

Klaus Junker, Mahlow

Betrifft: „Die Punktlandung“ vom 24. Mai 2004

Braucht Deutschland einen Bundespräsidenten, der als Weltbanker den transnationalen Konzernen gewiss mehr zugewandt war und ist als den Ländern der Dritten Welt? Von dem wohl eher eine weitere Abkühlung des sozialen Klimas zu erwarten ist? Einen Bundespräsidenten, der sich als Sieger gibt und der seine Sympathie für eine Partei so offen äußert?

Udo Borck, Berlin-Schöneberg

Der neue Bundespräsident ist den meisten Menschen im Lande vollkommen unbekannt. Folglich wird er es nie richtig schaffen können, Staatsoberhaupt des ganzen Volkes zu werden.

Rasmus Ph. Helt, Hamburg

Betrifft: „Kann man dieses Land lieben?“ vom 25. Mai 2004

Mit dem Leitartikel des Herrn Ulrich bin ich nicht glücklich. Wenn man Herrn Köhler aufmerksam zugehört hat, so kann man ihm nicht unterstellen, den Patriotismus aus den USA mitgebracht zu haben. Insofern ist die Bemerkung „God Bless Germany“ fehl am Platz. Und wenn Herr Ulrich konstatiert, dass der Schlusssatz „Gott segne unser Land“ nicht in den deutschen Sprachraum passt, muss ich heftig widersprechen. Er ist nur vielen Deutschen in den letzten Jahren abhanden gekommen.

Hubertus Hertzsch, Kleinmachnow

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