Leserbriefe : Die eigene Selbstverwirklichung im Auge

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„Das wahre Wort zum Sonntag“

vom 19. März 2006

Nach Ansicht der Grünen Göring-Eckardt hängt die Bereitschaft von Frauen, Mutter zu werden, auch davon ab, „ob man, wenn man ein Kind in eine Kneipe mitbringt, schief angesehen wird“. Kinder verbringen sehr gerne Zeit mit ihren Eltern zu Hause oder freuen sich auch über einen Zoobesuch. Nicht so gerne begleiten sie ihre Eltern in Kneipen, wenn diese sich dort mit anderen Erwachsenen entspannen wollen. Manche Kinder äußern ihren Unmut darüber recht deutlich. Kinderfreundlich ist ein solcher Kneipenbesuch ganz sicher nicht. Auch bei der Entscheidung, Kinder an Wochentagen primär in außerhäusigen Einrichtungen betreuen und erziehen zu lassen, wie von vielen praktiziert, ist weniger an das Wohl der Kinder als an die eigene (berufliche) Selbstverwirklichung gedacht. So zum Beispiel das Lehrerehepaar, das sein einjähriges Kind in der Kita unterbringt, damit beide weiter auf voller Stelle arbeiten können, statt das Teilzeitangebot des Arbeitgebers anzunehmen. Was für Anstrengungen und Kosten nehmen manche Männer und Frauen auf sich, um ein Kind zu bekommen – und geben es dann so schnell wie möglich ab. Sie wollen alles: Leben mit Kind wie zuvor ohne Kind, also mit Kind in die Kneipe. Wenn die Göring-Eckardts und andere Hedonisten wissen wollen, was kinderfreundlich ist, sollten sie jene fragen, die sich um ihre Kinder kümmern.

Martin Hartmann,

Berlin-Charlottenburg

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