Leserbriefe : Die gesellschaftliche Zeitbombe tickt

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Zur Berichterstattung über den Angriff

Jugendlicher auf einen Polizisten in einer Schule in Berlin-Lichtenrade

Nun wird wieder einmal diskutiert, was zu tun ist, um Gewaltausbrüche jugendlicher Migrantenbanden zu stoppen. Da ist die Rede von Sozialarbeitern und langfristigen Maßnahmen. Wir brauchen aber offensichtlich kurzfristiges Handeln. Unsere Demokratie darf sich nicht dauerhaftes Laisser-faire leisten.

Werner Nieber, Berlin-Tegel

Die Berichterstattung in den Medien über die Migranten/-innen ist unerträglich geworden. Anstatt das gegenwärtige Problem mit und unter Jugendlichen als ein vielschichtiges zu begreifen, in dem wirtschaftliche und demnach auch soziale Fragen eine Rolle spielen, bedient man sich unbefangen der alten Klischees. In den Darstellungen der Ereignisse erscheinen die Migranten als Mob, als unterdrückende und anstandswidrige Gruppierung, die mit der gegebenen Ordnung in diesem Land nicht konform gehen kann.

Aber die Missstände in diesem Land sind nicht auf Kulturdebatten zu reduzieren, die einen monokausalen Zusammenhang zwischen zwei Polen ziehen und mit dem man den Problemen nicht beikommen kann. In Ihrer Berichterstattung werden Gewalt und Kultur von Migranten/-innen aus dem Orient zusammengesetzt, und ebenso wird Gewalt als unabwendbares Resultat einer feindlich gesinnten Religion bewertet. Da wird der Blick auf brisante politische Fragen banal und einfach auf die Migration reduziert.

Und hier denke ich, liegt die Gefahr, da wird ein Problem unter falschen Konklusionen bewertet. Kein Wunder also, wenn jedes Gebaren, jede Gestik, jeder lustige Moment in der U-Bahn, in Kaufhäusern mit strengem Blick von Passanten zensiert wird. Nicht als junger Mensch mit guter Laune wird man wahrgenommen, wenn die Stimme plötzlich auflebt, nicht als passionierte Rednerin, wenn man mit den Händen das Gesprochene untermalt, sondern von vornherein mit einer aggressiven Kultur in Verbindung gebracht.

Michel Friedman hat mal einen sehr schönen Satz gesagt, und zwar, dass er sich nicht vor der Vielfalt, sondern vor der Einfalt der Menschen fürchte. Unsere Wahrnehmung wird bedauerlicherweise von Letzterem bestimmt. Kulturen werden daraufhin bewertet, inwiefern und in welchem Maße sie für die eigene Gesellschaft gefährlich sein könnten. Es finden Projektionen statt, bis sie zu einer Selffulfilling Prophecy werden. Die Konsequenz wird sein, dass man sich zurückzieht und einander misstraut. Wenn dies das Klima ist, was man schaffen möchte, dann wird man sich an diesen unerwünschten Ort allmählich begeben.

Belgin Alakus, Berlin-Neukölln

Nach immer dem gleichen Muster wird ein (natürlich einzelner) Mensch von einer immer gewaltbereiten Meute potenzieller und stets in Gruppen auftretender Totschläger mit sogenanntem Migrationshintergrund auf brutalste Art und Weise beinahe vom Leben in den Tod befördert. Als Ursache macht der Tagesspiegel ganz wie gewohnt die angebliche Perspektivlosigkeit und den fehlenden Respekt aus, gleichsam als sei dies nicht vielmehr Ausdruck einer allgemeinen Integrationsverweigerungshaltung und einer diesen Kreisen immanenten, kruden Deutschfeindlichkeit. Und ist es eigentlich wirklich so schwer zu begreifen, dass diese Herrschaften und das Umfeld, aus dem sie kommen, ihr Gastland und uns schlicht und ergreifend nicht mögen?

Harald Oczko, Berlin-Steglitz

„Jugendgewalt – Grenzen zeigen“

von Armin Lehmann vom 23. Januar

Der Artikel macht mich wütend. Wütend auf diejenigen Menschen, die nach Deutschland gekommen sind, um u. a. von den Wohltaten und Vorteilen eines sozialen Rechtsstaates zu profitieren, die sich diesem gegenüber jedoch nicht nur nicht loyal verhalten, sondern ihn auch nicht respektieren. Wohlgemerkt, ich spreche hier nicht von der Vielzahl der Migranten, die in menschlicher, kultureller und ökonomischer Hinsicht eine Bereicherung für dieses Land darstellen. Ich beziehe mich auf jene, die nicht im Geringsten daran denken, ihrer Bringschuld bezüglich der Anstrengungen zur Integration nachzukommen.

Es ist unerträglich, wenn Bürger zu Opfern von Rassismus, Homophobie und dumpfer Gewalt werden. Egal, ob sie von Neonazis oder jugendlichen Migranten ausgeht. Hier tickt meines Erachtens eine gesellschaftliche Zeitbombe, und die Politik ist gefordert, auf dieses Phänomen angemessen zu reagieren. Die Erfahrung hat gezeigt, dass in den seltensten Fällen Interventionen sozialpädagogischer Art in derart drastischen Fällen zum Erfolg führen.

Eine Politik der null Toleranz ist angezeigt, da nur konsequente und harte Sanktionen bei der angesprochenen Tätergruppe die Chance einer Wirkung haben. Herr Sarkozy beispielsweise hatte nach den Auswüchsen in der Pariser Banlieue sofort angekündigt, dass der Aufenthalt der Täter, so sie nicht Franzosen sind, umgehend beendet würde. Warum sollte ein entsprechend konsequentes Vorgehen in Deutschland nicht möglich sein?

Torsten Goetz, Lübeck

Der Leitartikel schildert sehr treffend die Situation und das Problem der Jugendgewalt. Ich wurde selbst im Februar 2005 Opfer jugendlicher Banditen. Es ist höchste Zeit, dass die Probleme so klar in der Öffentlichkeit angesprochen werden, wie es in oben genanntem Artikel geschah. Man hatte bisher den Eindruck gewinnen können, dass über ethnologische, soziale Hintergründe derartiger Gewaltorgien aus falscher politischer Rücksichtnahme nicht von offizieller Seite gesprochen wird. Notwendig aber ist, dass die verantwortlichen Politiker der Stadt und des Staates Schlussfolgerungen aus der Entwicklung der Jugendgewalt ziehen.

Harry Richter, Berlin-Friedrichsfelde

Der Angriff der arabischen Jugendlichen auf den Kriminalbeamten ist nur die Spitze des Eisberges. Ausländergewalt geschieht tagtäglich hundertfach, ohne dass dies veröffentlicht wird. Über 80 Prozent aller jugendlichen Intensivtäter in Berlin haben einen Migrationshintergrund. Doch von den Politikern hört man lediglich immer, dass wir den Ausländern weitere Angebote machen müssen. Falsch, die Ausländer müssen sich uns anpassen. Wer unser Gastrecht missbraucht und kriminell wird, gehört sofort abgeschoben. So einfach ist das.

Robert Friedrich, Berlin-Wilmersdorf

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