Leserbriefe : Die Großen zocken, die Kleinen zahlen

Zur Finanzkrise

Nur eine Kurzmeldung im Wirtschaftsteil, aber es ist eine Meldung , die zu Tränen rührt. Josef Ackermann verzichtet für dieses Jahr auf seinen Gehaltsbonus! Einer der Schuldigen für einen volkswirtschaftlichen Schaden, den die Bundesregierung bisher mit 500 Milliarden Euro beziffert, ist also der Meinung, dass ihm eigentlich ein Bonus zustünde, auf den er nun großmütig verzichtet. Jeder Cent, der diesem Mann noch gezahlt wird, erfüllt den Tatbestand der Veruntreuung.

Hans-Ulrich Koormann,

Berlin-Lichtenberg

Wo ist bei den Bankern der sogenannte Unternehmergeist? Unternehmer streichen nämlich nicht nur Gewinne ein, sondern stehen auch für die Verluste aus ihren Geschäften gerade. Unsere Banker kennen bisher die Unternehmereigenschaft nur von der besten Seite, was ihnen erlaubt, maximale Risiken ohne persönliches Risiko einzugehen, nach dem Motto: bei Verlust verdoppele ich einfach den Einsatz.

Sie tatsächlich wie Unternehmer behandeln heißt: Gesetzliche Regelungen zu schaffen, die eine Haftung der Vorstände, aber auch der leitenden und boniberechtigten Mitarbeiter gnadenlos vorsehen. Wer am Gewinn partizipiert, muss auch für den Verlust aufkommen.

Wolfgang Schuchardt,

Berlin-Steglitz

Seit Tagen kriege ich schlechte Laune, wenn ich die Zeitung auch nur aufschlage ... Und so will ich heute klagen, wie – vergleichsweise meine ich – Georg Büchner 1834 in seinem Flugblatt geklagt hat: „Ihr dürft euren Nachbarn verklagen, der euch eine Kartoffel stiehlt; aber klagt einmal über den Diebstahl, der von Staats wegen unter dem Namen von Abgabe und Steuern jeden Tag an eurem Eigenthum begangen wird, damit eine Legion unnützer Beamten sich von eurem Schweiße mästen: klagt einmal, daß ihr der Willkühr einiger Fettwänste überlassen seyd und daß diese Willkühr Gesetz heißt, klagt, daß ihr die Ackergäule des Staates seyd, klagt über eure verlorne Menschenrechte: Wo sind Gerichtshöfe, die eure Klage annehmen, wo die Richter, die rechtsprächen?“

Eigentlich hat sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts nicht viel geändert. Die Bevölkerung bleibt machtlos.

Inge Seidel, Berlin-Lichterfelde

„Die Welt neu zusammensetzen“

von Harald Schumann vom 17. Oktober

So wie in o. g. Artikel die Hintergründe der Finanzkrise und Lösungsansätze beschrieben und erklärt werden, habe ich das in keiner anderen Publikation auch nur annähernd gleichermaßen verständlich und dennoch kurz gehalten gelesen. Dieser Beitrag muss doch auch auch Leser ansprechen, die sich sonst für wirtschaftliche Zusammenhänge weniger interessieren.

Klaus Durchholz, Falkensee

„Die Börsen fahren Achterbahn“

von Carsten Brönstrup vom 17. Oktober

Die Zocker sind wieder zurück an der Börse. Ist es nicht pervers, wie die gescholtenen Börsianer zu Heilsbringern erneut hochstilisiert werden. Der Kapitalismus ist tot, es lebe der Kapitalismus. Mit diesem Zynismus müssen wir, die kleinen Leute, leben.

Friedrich W. Zimmermann,

Berlin-Mitte

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