Leserbriefe : Die Jüngeren sind nicht die Melkkuh der Nation

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Betrifft: Generationengerechtigkeit im deutschen Rentensystem

Für mich als Vertreter der jüngeren Generation (unter 40) ist es immer weniger hinnehmbar, mit welcher Selbstverständlichkeit den Jungen immer neue finanzielle Lasten zugemutet werden, ohne die Älteren daran zu beteiligen. Es kann nicht sein, dass ich heute höhere Rentenbeiträge zahle, um in 30 Jahren weniger Rente zu erhalten. Um dann meinen Lebensabend finanzieren zu können, muss ich zusätzlich Beiträge für die Riester-Rente aufbringen – oder ich gehe im Alter gleich zum Sozialamt.

Es muss diskutiert werden, wie mehr Gerechtigkeit zwischen den Generationen geschaffen werden kann: Erstens sind schon heute geringere Rentenerhöhungen zu erwägen. Zweitens ist die Möglichkeit einer Pflichtversicherung unter Einbeziehung von Selbstständigen und Beamten zu prüfen. Und drittens muss die Erhöhung der Erbschaftssteuer erwogen werden, die dann zweckgebunden in die gesetzliche Rentenversicherung fließt. Denn diejenigen, die ein größeres Erbe erwarten, brauchen sich um die Absicherung im Alters keine Sorgen machen. Die anderen „schauen in die Röhre“.

Gerne bin ich bereit, für eine gemeinsame Sache meinen Beitrag zu leisten, sofern ich nicht das Gefühl habe, „Melkkuh der Nation“ zu sein. Außerdem fordere ich zukunftsweisende Reformen, anstatt sich ständig von einer Notmaßnahme zur nächsten zu retten. Ich appelliere an Regierung und Opposition, in diesen wichtigen Fragen konstruktiv zusammen zu arbeiten, anstatt immer nur nach den nächsten Wahlen zu schielen.

Matthias Gehrcke, Berlin–Schöneberg

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