Leserbriefe : Die Kosten sind entscheidend

„Als die Bilder hinken lernten“

von Hans Günther Pflaum vom 27. August

Der Autor konstatiert: Fernsehen und Kino haben sich auseinandergelebt und führt als Beweis den Streit um die Verfilmung der „Päpstin“ an. Aber nichts eignet sich weniger für den Beweis dieser kulturpessimistischen Aussage.

Die UFA hat schon 2001 die Verfilmungsrechte an Donna Cross’ Roman erworben. Wir waren es auch, die den Autor Michael Hirst und Volker Schlöndorff für das Projekt verpflichteten. Schon damals entwickelte ich gemeinsam mit ihnen die Idee eines amphibischen Projekts – die Auswertung als zweiteiligen Fernsehfilm und Kinofilm. Dafür sprachen reine Kostengründe, denn die geplanten Produktionskosten von über 20 Millionen Euro wären nur auf diesem Wege zu finanzieren gewesen. Budgets dieser Größenordnung sind in Deutschland trotz aller Fördermaßnahmen nicht anders zu finanzieren. Auch künftige UFA-Produktionen, wie Dani Levys „Ritchie Boys“ oder „Der Reichstagsbrand“ können nur so verwirklicht werden.

Volker Schlöndorff hat dieser Konstellation im Jahr 2002 zugestimmt und wurde nur unter dieser Prämisse als Regisseur verpflichtet. Bei der Buchentwicklung achteten wir streng darauf, dass Kino- und TV-Version ihre eigene dramaturgische Qualität und ästhetische Realität erhalten. Da der Film zu keinem Zeitpunkt ausschließlich „sein“ Projekt war, sondern eine Team- und Auftragsarbeit der UFA, war Volker Schlöndorffs Rausschmiss durch die UFA und Constantin – auf die die UFA das Projekt zwischenzeitlich übertragen hatte – auch keine dreiste, destruktive Demütigung und der Film weit davon entfernt, ein Autorenfilm zu sein. Alle wichtigen, kreativen Entscheidungen wurden von oder mit der UFA getroffen. Die „bösen“ Fernsehsender und ihre willfährigen Dramaturgen waren übrigens zu keinem Zeitpunkt in die Entwicklung auch nur einbezogen. Bis heute gibt es noch keine Entscheidung für einen Sender.

Volker Schlöndorff hat mit der Constantin unter den gleichen künstlerischen und produktionellen Prämissen gearbeitet wie mit der UFA. Sein Rausschmiss war nur konsequent, weil er sich einem Produktionsmodell verweigert, dem er von Anfang an zugestimmt hatte. Er hat sich also auch keiner „Entwicklung verweigert“, wie Pflaum schreibt, die den Regisseur zum angeblichen Opfer rein renditeorientierter Produzenten macht. Er hätte den Film gerne inszeniert.

Norbert Sauer, geschäftsführender

Produzent der UFA Filmproduktion,

Potsdam

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