Leserbriefe : Die Praxisgebühr ist praxisfern

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Betrifft: „Die Gesetze sind beschlossen – und viele Fragen offen“ vom 23. Oktober 2003

Wir können schlecht zu einem Schwerverletzten sagen: „Rück die Knete raus, sonst wirst du nicht verarztet.“ Wir sind ja nicht in Indien. Wieso Indien? Nun, ein Freund und Kollege famulierte als Medizinstudent in Indien. Dort erlebte er, wie ein Verletzter nicht behandelt wurde, weil er nicht genügend Geld dabei hatte für die Behandlung. Man ließ ihn sterben und kümmerte sich um einen anderen Patienten, der bezahlen konnte. Mein Freund reiste ab.

Wir können jetzt aber nicht alle abreisen oder auswandern. Wohin denn auch? Nach Indien oder in die USA vielleicht? Hier sind es ja noch 10 Euro. Kann aber noch mehr werden. Ist ja erst der Anfang.

Die Schwierigkeiten sind also programmiert. Was sollen wir Ärzte also tun, wenn ein Patient kommt, akut Behandlung verlangt, aber die 10 Euro nicht dabei hat? Jeder von uns Ärzten weiß aus Erfahrung, dass es immer wieder Patienten gibt, die Rechnungen nicht bezahlen. Wir müssen wohl, wie weiland die alten Landärzte, auf „Naturalien“ zurückgreifen. Bei männlichen Patienten dürfte also der Satz fallen: „Dann lassen Sie bitte Ihre Armbanduhr hier. Als Pfand.“

Torsten SchmidtBranden, Berlin-Schmargendorf

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