Leserbriefe : Die Rente ist unsicher

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„Rentnern steht 2005 erneut Nullrunde bevor“ vom 28. Oktober 2004

Wer immer über die gegenwärtige RentenMisere klagt, sollte den nachhaltigsten Lügner seit Münchhausen nicht vergessen: „Die Renten sind sicher!“ Und denken an die andere der großen Parteien, die SPD, die gehört und nicht widersprochen hat. Wir haben ja zwei große sozialdemokratische Parteien, was gern übersehen wird. Die denken beide zuerst ans Verteilen. Auf Pump, wenn die Steuern und Parasteuern nicht reichen.

Deshalb sollten wir uns gelegentlich daran erinnern, was Marx in einem lichten Moment gesagt hat: Der Sozialismus kann nur die Reichtümer verteilen, die der Kapitalismus geschaffen hat. Leider hat er sich geweigert zu sagen, wie der Sozialismus Güter zum Verteilen erzeugt, und was dann ist, wenn alles verteilt ist. Das hat er offenbar nicht gewusst. Also kann verteilbarer Reichtum wohl nur geschaffen werden von Kapitalisten; das sind nicht nur die Beschäftiger, wie gewöhnlich angenommen wird, sondern auch die Beschäftigten, beide zu 100 Prozent!

Seit mindestens 30 Jahren nämlich ist offenkundig, dass Adenauers Beruhigungs-Pille versagte, mit der er seine Mahner zum Schweigen brachte: „Aber Kinder haben die Leute doch immer.“ Wollen die Politiker der großen Parteien ihre Glaubwürdigkeit zurückgewinnen, hilft nur eins: das Eingeständnis, dass sie sehenden Auges die Dinge haben treiben lassen. Das Eingeständnis der Bürger ist genauso wichtig: dass wir uns nur zu gern haben belügen lassen. Denn jedem Menschen mit mittlerer Intelligenz ist seit langem klar, dass die Renten-Umlage in die Katastrophe führt. Wir waren auch die dankbarsten Zuhörer seit Münchhausens Zuhörern, denn wir wussten, dass wir belogen wurden.

Eine Renten-Versicherung haben wir nämlich seit Adenauer nicht, sondern eine Umlage! Was heute eingenommen wird, wird im nächsten Monat ausgegeben. Kein heutiger Rentner hat für seine Rente gearbeitet, wie immer noch einige wider besseres Wissen behaupten. Sondern jeder hat seinerzeit für die Rentner gearbeitet und gezahlt, die damals lebten. Hat er keine Kinder aufgezogen, hat er nicht einmal für Renten-Zahler gesorgt. Ein System, das keine Rücklagen bildet, ist unseriös. Jeder Bürger hätte den Staatsanwalt am Hals, wenn er so gewirtschaftet hätte wie die so genannte Renten-Versicherung – mit Duldung der großen Parteien!

Wilfried Meyer, Odenthal

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