Leserbriefe : Die S-Bahn sollte den Kunden beim Fahrpreis entgegenkommen

Zum erneuten S-Bahn-Chaos in Berlin

Die ersten Verantwortlichen der S-Bahn mussten bereits für die erste Panne ihren Hut nehmen, weitere werden für das erneute Chaos nun vielleicht folgen. Frau Junge-Reyer ist „fassungslos“. Aber ist es nicht so, dass auch sie nicht nur ihre Aufsichts-, sondern auch Kontrollfunktion scheinbar nicht ausgeübt hat?

Bettina Haubold, Berlin-Kaulsdorf

Liebe Berliner S-Bahn, vielen Dank für das neue Ölsardinen-Gefühl, das du uns bescherst! Das ist bestimmt auch ein gelungener Beitrag zur Verbreitung der Schweinegrippe. Und wenn ich daran denke, dass unsere Steuergelder via S-Bahn an die Deutsche Bahn fließen, um deren Börsengang vorzubereiten, könnte ich vor Wut platzen! Die Zumutbarkeitsgrenze ist definitiv erreicht!

Kornelia Ruppmann, Berlin-Friedenau

Seit Jahrzehnten stritt man sich, ob der Begriff S-Bahn Stadt-Bahn oder Schnell-Bahn bedeutet. Seit Monaten lautet die Frage, ob sie Stand-Bahn oder lieber gleich Schrott-Bahn heißt.

Werner Munk, Berlin-Neukölln

Die Bahn hat in den letzten Jahren offensichtlich vorsätzlich die vorgeschriebenen Sicherheitsintervalle und Instandsetzungen für die S-Bahn ignoriert und damit – wie man inzwischen annehmen muss – bewusst die Gefährdung von Menschenleben in Kauf genommen. Es kann daher nicht mehr nur von einer wirtschaftlich falschen Handlung ausgegangen werden, sondern nach meiner Auffassung mittlerweile von einer Straftat. Daher müssen endlich auch die richtigen Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Es geht nicht an, dass der vermutlich Hauptverantwortliche (Herr Mehdorn) sich bei Air Berlin auf Wolke sieben davonstiehlt.

Otto Eigen, Berlin-Kladow

Die vorgeschriebenen Wartungsintervalle waren nicht nur den Vorständen bekannt, sondern ebenso einer Vielzahl von Mitarbeitern in den technischen Abteilungen und ebenso etlichen im mittleren Management. Wo waren die warnenden Stimmen der Mitarbeiter, der Betriebsräte und der Gewerkschaften? Statt nur allgemein auf negative Auswirkungen des Sparkurses der S-Bahn hinzuweisen, hätten von ihnen die Unterlassungen und die daraus folgenden Auswirkungen auf die Sicherheit der Fahrgäste konkret benannt werden müssen. Wer als informierter Mitarbeiter in einer solchen Situation schweigt und die Öffentlichkeit – zur Not anonym – nicht lautstark warnt, macht sich indirekt mitschuldig.

Günter Sölken, Berlin-Mitte

Eines ist beim S-Bahn-Debakel jedenfalls klar: Wenn der Senat nicht in der Lage ist, einen ordentlichen Verkehrsvertrag auszuhandeln und auch zu kontrollieren, ermuntert das die Bahn zur Schluderei. Für Ideologen ist natürlich die Privatisierung schuld. Der Ausweg „lasst die BVG das übernehmen“ macht’s noch schlimmer: Bislang kann man bei S-Bahn-Problemen auf die BVG umsteigen und umgekehrt. Bei nur einem Betrieb entsteht ein schlimmes Monopol und wir Kunden geraten völlig in die Abhängigkeit von unfähigen Managern oder streiklustigen Mitarbeitern.

Ansgar Hollah, Berlin-Wittenau

Es würde sicher das inzwischen sehr angeschlagene Image der S-Bahn verbessern, wenn man den Kunden, die auf dieses Transportmittel angewiesen sind, in irgendeiner Weise entgegenkommen würde. Bisher wird für eine ungenügende Leistung weiterhin der volle Preis berechnet. Eine Unverschämtheit!

Marco Riolo, Berlin-Zehlendorf

Es bleibt festzuhalten, dass das Berliner S-Bahn-System prinzipiell ein sehr gutes ist – man denke auch an neidvolle Blicke z. B. aus München, vor allem wegen des Berliner S-Bahn-Innenrings – und dass die Mitarbeiter das Produkt sehr engagiert „verkaufen“. Den Kern des Übels stellt die spätestens seit 1990 betriebene Liberalisierung/Privatisierung dar: Die für die Berliner S-Bahn Verantwortlichen sind eben nicht wie in den Zeiten der Deutschen Reichsbahn gelernte, sich mit diesem Verkehrsmittel identifizierende Eisenbahnerinnen und Eisenbahner, sondern Menschen, die entsprechend ihrer politischen Auftraggeber erstrangig in betriebswirtschaftlichen Kategorien denken – unabhängig von dem (Wirtschafts-)Sektor, um den es geht – und ebenso bei mit dem Verkehrssystem Schiene konkurrierenden Unternehmen, z.B. Omnibus- und Fluggesellschaften, ihren Beruf ausüben können.

Michael Zaretzki, Asperg

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