Leserbriefe : Die Täter belächeln den schwachen Staat

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Betrifft: „Wie kriminell ist Deutschland?“ vom 22. Mai 2003

Die Diskussion um die gewalttätige Jugend reißt nicht ab und erfährt alljährlich spätestens anlässlich der Veröffentlichung der aktuellen Daten der Polizeilichen Kriminalstatistik neue Nahrung. Die Reaktionen der politisch Verantwortlichen reichen von Leugnen über Verharmlosen bis zu kollektiver Verantwortungslosigkeit aufgrund „Nichtzuständigkeit“. Wenn wir aber die Probleme der Jugendlichen in den Griff bekommen wollen, so sollten wir endlich Farbe bekennen:

1. Die Gewalt und Brutalität unter Jugendlichen nimmt zu.

2. Die Konsequenzen auf diese Gewalt bestehen immer häufiger aus Diskussionen über sinnvolle Reaktionen anstatt aus bewährten und allgemein gesellschaftlich akzeptierten Sanktionen

3. Je weniger hart der Staat im Einzelfall reagiert, desto mehr Gründe muss er finden, es in einem anderen Fall dann doch zu tun.

All dieses hat sich unter den straffälligen Jugendlichen gleich welcher Nationalität herumgesprochen und dazu geführt, dass der Staat als Institution nicht ernst genommen und bestenfalls als schwach belächelt wird.

Da können sich Eltern und Lehrer noch so viel Mühe geben: Wenn auch der gesetzestreue Jugendliche keine Arbeitsstelle findet, weil es keine gibt, und der jugendliche Straftäter staatliche Unterstützung bei der Suche nach Arbeit erfährt, ist etwas faul im Staate Deutschland.

Lutz Hansen (Berliner Landesvorsitzender

des Bundes dt. Kriminalbeamter), Berlin

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