Leserbriefe : Die toten Saddam-Söhne mussten gezeigt werden

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Betrifft: „Etzels Hof gehört nicht in unser Jahrtausend“ vom 27. Juli 2003

Um zu verstehen, warum ein Foto der getöteten HusseinSöhne zumindest im Irak publiziert werden musste, müssen Sie weder die lateinische Sprache noch irgendwelche Klassiker oder gar die Geschichte bemühen.

Stellen Sie sich einfach vor, Sie lebten als Mutter mit zwei Söhnen in einem Staat wie dem Irak. Stellen Sie sich weiter vor, ein Land wie die USA machte einen Krieg gegen dieses Land. Ihr älterer Sohn sympathisiert in Worten und Werken mit den „Befreiern“. Die gewinnen zwar den Krieg, lassen die Machthaber aber an der Macht. Ihr älterer Sohn verschwindet spurlos.

Jahre später die gleiche Situation, die USA führen wieder Krieg gegen Ihren Staat. Nur dass es jetzt Ihr jüngerer Sohn ist, der die Chance auf Befreiung sieht und mit den USA kollaborieren will. Sie haben Angst, dass auch diesmal die USA die Machthaber an der Macht und die „Zuläufer“ im Stich lässt. Sie trauen den USA nicht, und als die Nachricht aufkommt, dass die Söhne des Machthabers getötet worden sind, glauben Sie es nicht. Dann erscheint ein Foto der Getöteten in der Zeitung. Vielleicht können Sie sich anhand dieser kleinen Geschichte vorstellen, wie wichtig es ist, dass dieses Foto der getöteten Hussein-Söhne (zumindest im Irak) publiziert wurde. Es soll die Botschaft „Seht her, diesmal lassen wir Euch nicht im Stich, diesmal bringen wir es zu Ende“ vermitteln, dem Volk die Angst, die alten Machthaber könnten wieder an die Macht kommen, nehmen. Und Tote sind zu diesem Zweck allemal besser als Angeklagte in Den Haag.

Elisabeth Schneller, Berlin-Dahlem

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