Leserbriefe : Die Türkei lässt sich nicht ausgrenzen

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„Der Islam hat noch viel vor sich“

vom 28. November 2005

Alexander Gauland meint wohl, dass man der Türkei das Tor zu Europa zuschlagen sollte, wenn er schreibt: „Wir sollten die brennenden Autos im Kopf behalten, wenn wir der islamischen Türkei das Tor nach Europa öffnen.“ Ob der Mann so viel liest, wie er publiziert? Vielleicht sollte er deutsche, französische und türkische Geschichte lesen. Türken aus der Türkei sind keine Nordafrikaner, sondern die einstigen Herrscher über Nordafrika. Frankreich hingegen ist ein Staat, der seine koloniale Vergangenheit wider besseres Wissen aus eigener Geschichte aufgebaut und nie aufgegeben hat. Daran erstickt es nun.

Die deutsche Situation ist anders. Man hat hier Menschen vornehmlich aus ländlichen Gebieten der Türkei hergebracht und hat Probleme damit. Dass gerade diese Menschen schwierig zu integrieren sind, haben viele Herrscher lernen müssen, auch der Sultan der Osmanen. Dessen Reich zerfiel infolge des Nationalismus, den die Französische Revolution hervorgebracht hat.

Frankreich fiel aber nichts Besseres ein, sich ein Kolonialreich auch auf den Trümmern des Osmanischen aufzubauen. Während sich die Europäer als Nationen aufgestellt haben, wurden die Völker Afrikas kolonisiert und brutal unterdrückt. Frankreich hat sich derart darin verbissen, dass man viele Kolonien einfach zum Mutterland erklärt hat. Die brennenden Autos sind Boten dieser Nachricht. Man sollte den Islam lieber außen vor lassen.

Ich kann Gauland beipflichten: Behalten Sie die brennenden Autos aus Paris im Kopf, wenn Sie Menschen aus der Türkei den Zugang nach Europa verwehren wollen. Erstens kommen diese in 20 Jahren doch, vielleicht sogar auf Einladung von vergreisten Europäern. Und zweitens kommen ggf. andere Völker an deren Stelle.

Dr. Ahmet E. Cakir,

Berlin-Charlottenburg

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