Leserbriefe : Die Union sollte toleranter und christlicher sein

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„Nicht Macht, sondern Glück für Mütter“ vom 18. August 2005

Die erschreckenden Zitate von Kirchhof lassen sich erweitern. So hat er 2001 im Tagesspiegel verkündet: „Kinderlosigkeit steht für Resignation und kollektive Selbstaufgabe.“ In der „Zeit“ war kurz zuvor zu lesen, dass Kinderlose „ihrer Biographie eine unglückliche Wendung“ geben. Dies lässt für Kirchhofs Rolle im Kompetenzteam der Union nichts Gutes ahnen. Gewiss hat der Staat Kinder nach Kräften zu fördern. Aber muss dies mit einer derartigen Diffamierung aller kinderlosen Singles und Paare einhergehen? Eine zentrale Aufgabe der Gesellschaft besteht darin, Kinder zu Toleranz und Respekt gegenüber den individuellen Lebensformen ihrer Mitmenschen zu erziehen. Die in den Äußerungen Kirchhofs erkennbare Haltung ist diesem Ziel wenig förderlich.

Prof. Dr. Christian Armbrüster, BerlinSchöneberg

„Rechts fühlen, links wählen“ vom 13. August 2005

Treffender hätte die Analyse des deutschen Konservatismus nicht sein können. Die CDU traut sich zwar eine Steuererhöhung anzukündigen, aber um zu ihrer christlichen Wertegrundlage zu stehen, ist sie offenbar zu feige. Wie sollte sie aber auch, wenn überzeugte Christen in der Union längst in der Minderheit sind? Diese verschanzen sich lieber in Kleinparteien wie der PBC, Christlichen Mitte oder Zentrum. Die Folge: Der deutsche Konservatismus ist – so wie er in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird – nur noch ein Schatten seiner selbst. Die Union sollte aufwachen: Sie glaubt mit einer 18-Prozent-Mehrwertsteuer zu punkten. Aber im großen Vorbildland USA gewinnt man mit religiöser Euphorie. Davon könnte sich auch Angela Merkel und Co. eine Scheibe abschneiden. Tobias-B. Ottmar, Gelsenkirchen

Als ehemaliger – jetzt in Neuseeland lebender – Berliner kann man bei der Beobachtung der deutschen Politikszene nur noch den Kopf schütteln. Nach fünfzehn (15!) Jahren Einheit reitet es sich wahlkämpferisch offenbar immer noch bestens auf dem Rücken der zur Geschichte verdammten deutschen Teilung. Deutschland immer noch „zweiig“ Vaterland? Man will es kaum glauben. Ach ja, Herr Stoiber (und Herr Öttinger) ... wir hier am Rande des Pazifiks haben 3,8 Prozent Arbeitslose und werden von einer Sozialdemokratin regiert. Sind die Bayern jetzt dümmer und frustrierter als die Kiwis? Muss wohl so sein, frei nach Edmund dem Großen Süddeutschen.

Gernot Göx, Hawke’s Bay, Neuseeland

Warum sagt niemand Herrn Stoiber, dass Bayern, bis 1945 vornehmlich eine Agrar-Provinz, einer der größten Profiteure der ehemaligen Teilung Deutschlands war und ist? Hauptgrund für die heutige bayerische Problemlosigkeit ist sicher im Umzug großer Industrieunternehmen vom Osten Deutschlands nach Bayern zu sehen: Einer der bekanntesten und vielleicht größten Arbeitgeber Bayerns ist (neben anderen) heute die Firma Siemens AG. mit ihren Tochterunternehmen. Zwecks ungestörterer Tätigkeit hat Siemens, natürlich auch mit entsprechender finanzieller Versüßung, nach dem Mauerbau den Firmensitz von Berlin-Siemensstadt nach München verlegt.

Heinz W. J. Kunde, Toronto, Kanada

Ich bin sprachlos, was bei einem gebürtigen Berliner nicht oft vorkommt, dass die Bürger in meinem Geburtsland immer noch so viel Standesdünkel haben. Warum musste es betont werden, dass Frau Merkel aus dem „Osten“ kommt? Sind nach der Wiedervereinigung nicht alle Bundesländer deutsch? Herr Stoiber sollte keinen Grund suchen, abfällig über „Ostdeutsche“ zu sprechen, wenn die CSU bei der nächsten Bundesregierung dabei sein möchte.

Joachim Naumann, Encounter Bay, Australien

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