Leserbriefe : Die Würde des Menschen ist unantastbar

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„Angst um ihr Leben: Frauenrechtlerin Seyran Ates gibt auf“ vom 3. September 2006

Ihr Artikel beschämt mich. Da engagiert sich in unserer Stadt die Rechtsanwältin Seyran Ates, um muslimische Frauen vor Zwangsverheiratung und kaltblütigen Morden ihrer Familienmitglieder zu schützen und sie darf im Gericht, auf der Straße oder am Telefon bedroht, ja möglicherweise zusammengeschlagen werden und um ihr Leben fürchten? Ihr bleibt nur, um ihr Leben zu schützen, ihre Anwaltskanzlei aufzulösen. Und all das passiert unter den Augen unserer Politiker, unserer Polizei, unserer Justiz?

Sind wir schon wieder so weit, dass wir nicht sehen wollen, was wirklich geschieht und dass wir nichts dagegen unternehmen, wenn die Menschenrechte auch in Deutschland mit Füßen getreten werden? „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ – da schicken unsere Politiker deutsche Soldaten in die weite Welt, und zeigen sich unfähig, diesem Grundrecht in Deutschland ohne Wenn und Aber unbedingte Geltung zu verschaffen.

Christoph Schlüter,

Berlin-Wilmersdorf

Die Hardliner unter den muslimischen Integrationsverweigerern in Deutschland und Europa werden ob dieser Meldung erleichtert aufgeatmet haben. Eine weniger, die an der Integrationsfront mit Überzeugung, Unbequemlichkeit und Vehemenz die gleichen Rechte für die muslimischen Frauen eingefordert hat, die für westliche Frauen so selbstverständlich sind. Trotz aller unser Lippenbekenntnisse zur Integrationsförderung und -forderung waren weder Regierender Bürgermeister, Justiz, Innensenat und Polizei noch Integrationsbeauftragte in der Lage, Frau Ates Resignation vorzubeugen.

Für muslimische Mädchen und Frauen in Deutschland bedeutet Frau Ates Aufgabe einen herben Verlust und eine Tür weniger, die Ausweg aus der muslimischen Parallelwelt bietet. Islam bedeutet Unterwerfung und so hat die muslimische Frau sich dem Ehemann, Bruder oder Vater zu unterwerfen. Die Freiheitsrechte einer westlichen Frau gelten nicht für die Muslimas, die unter uns wohnen.

Für die nichtmuslimische Gesellschaft in Deutschland bedeutet Frau Ates Zurückgabe der Anwaltszulassung eine Entlarvung. Vor allem nach dem Mord an Hatun Sürücü muss uns allen klar sein, dass insbesondere die muslimischen Mädchen und Frauen die Integration in die westliche Gesellschaft nicht zum Nulltarif für sich beanspruchen können. Zu groß ist die Gewaltbereitschaft unter den erzkonservativen Hardlinern in der muslimischen Machogesellschaft, als dass sie ohne weiteres ihre Frauen gehen lassen würden.

Gegen diese Form des muslimischen Terrors helfen keine Videoüberwachungskameras. Hier hilft lediglich eine deutliche und konsequente Haltung auch in der Rechtsprechung, die die unter uns schützt, die so leben wollen wie wir.

Margreet Krikowski,

Berlin-Schöneberg

Mit Erschütterung habe ich den oben genannten Artikel gelesen. Frau Ates wird von mir aufgrund ihres Engagements für die Frauen ihres Kulturkreises sehr bewundert. Mit welchem Recht werden die Frauen der islamischen Kultur von den Männern so beherrscht? An wen sollen sie sich in ihrer Not jetzt wenden, wenn nicht einmal eine couragierte muslimische Rechtsanwältin ihnen in unserem Land gefahrlos beistehen kann?

Marianne Bögner,

Berlin-Friedenau

Der Rückzug von Frau Ates ist eine Niederlage für die demokratische Zivilgesellschaft.

Markus Erich-Delattre, Hamburg

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