Leserbriefe : Die Zeche zahlt der Steuerzahler

„Bahn erhöht Gewinn und Preise“

von Carsten Brönstrup vom 19. August

Herr Mehdorn kann einem leid tun. Er macht einen hervorragenden Job und er wird ständig beschimpft. Der Auftrag aus der Politik war, aus einem trägen Unternehmen einen modernen wirtschaftlich arbeitenden Dienstleister zu machen. Das Ziel ist richtig. Und Herr Mehdorn arbeitet energisch darauf hin. Nur der Maßstab den die Politik dafür gesetzt hat ist falsch. Man macht es sich einmal wieder zu einfach, weil man selber nicht so genau weiß wie das eigentlich gehen soll. Die Börsengängigkeit der Bahn ist kein Maßstab für ein Unternehmen, das für alle Bürger unseres Landes eine auch soziale Aufgabe zu erfüllen hat. Der Kapitalgeber einer Aktiengesellschaft, egal ob er aus Russland kommt oder ein Kleinanleger aus Deutschland ist, will seine Rendite.

Dass die Privatisierung selten zu einem langfristig guten Ergebnis für den Bürger führt, zeigen viele Beispiele im In- und Ausland. Es bedarf einer neuen Aufgabenbeschreibung für das Unternehmen Bahn, die nicht primär eine Gewinnmaximierung für anonyme Aktionäre sondern für den Steuerzahler vorsieht, der ja auch bisher mit seinem Geld für die Bahn aufgekommen ist. Diese neue Aufgabe wird Herr Mehdorn dann sicher mit der gleichen Bravour angehen wie jetzt das falsche Ziel. Wenn Kanzlerin und Wirtschaftsminister dazu nicht in der Lage sind, wird der brave Bürger mit Steuergeldern und Toten bei Tempo 300 die Zeche zahlen.

Hans-Dietrich Stenzhorn,

Berlin-Kladow

Seit Jahren sind die Taxipreise stabil, obwohl die Treibstoffpreise kräftig gestiegen sind und sich der Staat noch weitere Belastungen wie zum Beispiel überflüssige Umweltplaketten ausgedacht hat. Taxis sind zu jeder Tages- und Nachtzeit erreichbar. Sie fahren jeden Ort an und legen keine Route still. Die Fahrer streiken nie und schon gar nicht, wenn man die Fahrt schon bezahlt hat. Worauf also ist Bahnchef Mehdorn stolz – darauf, dass ihm die Spritpreisexplosion die Fahrgäste geradezu zugetrieben hat? Dafür hat er – und seine Lokführer – die Kunden immer wieder kräftig abkassiert – Fortsetzung gerade angekündigt.

Im Gegensatz zu den Taxifahrern kennt die Bahn dank der Verfügung über das Schienennetz und des fast vollständigen und vollkommen unsinnigen Verbots von parallelem Busverkehr keine wirkliche Konkurrenz. Doch genau die ist dringend vonnöten – damit Mobilität nicht zum Luxus wird. Eine Bahn-Aktie wäre unter Wettbewerbsbedingungen derzeit wohl keinen Cent wert – vielleicht, weil das Unternehmen auch gar nicht an die Börse gehört. Also Politiker: Ende der Sommerpause!

Ralf Wagner, Berlin-Marzahn

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