Leserbriefe : Doppelverdiener sind keine Rabeneltern

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„Wie der Staat Geschlechterpolitik macht“ von Maria Steuer vom 9. Februar

Weder die Einführung des Elterngeldes noch die steuerliche Absetzbarkeit von Kinderbetreuungskosten hindern die Autorin persönlich daran, ihr Modell der Einverdienerehe auch in Zukunft zu praktizieren. Tatsächlich begünstigt es jedoch all jene Frauen, die ihre Identität nicht ausschließlich über ihre Mutterrolle definieren und jene Familien, die ein zweites Einkommen dringend benötigen. Unverantwortlich finde ich das gezielte Schüren elterlicher Ängste, indem sie behauptet, dass Kita-Betreuung die frühkindliche Bindung an die Eltern zerstört.

Tatsächlich belegt die Bindungsforschung: Kinder können zu mehreren Menschen tragfähige Beziehungen aufbauen. Natürlich zuerst zu den Eltern, aber eben auch zu Tagesmüttern oder Erzieherinnen. Dieser Tatsache verdanken sicher Generationen von Kindern, dass sie ihr Leben nicht als bindungsunfähige Krüppel fristen müssen.

Maria Gruno, Berlin-Prenzlauer Berg

Im Mitteleuropa des 21. Jahrhunderts sieht allen Ernstes eine Frau – eine Ärztin! – in staatlichen Maßnahmen wie Elterngeld und Schaffung von Kindertagesstätten das Ende des Konzepts „Familie“ – gipfelnd in dem Vorschlag, den Begriff „Familie“ aus der Bezeichnung des Familienministerium zu streichen. Begründung? Frau Steuer beklagt, dass solche Maßnahmen die Eltern zur Doppelerwerbstätigkeit zwängen, die wiederum „frühkindliche Bindung“ und „liebevolles Lernen fürs Leben“ verhinderten. Wenn also beide Eltern arbeiten, vernachlässigen sie ihre Kinder.

Am Ende ihres Kommentars kritisiert die Autorin gar die Vorstellung, dass Geschlechterrollen kulturell geprägt und veränderbar sind. Hier wird endgültig deutlich, dass hinter ihren Ausführungen der Ruf nach der „wahren“ Bestimmung der Frau steht: Frauen, wenn ihr ein Kind wollt, gebt euren Beruf auf! (Vielleicht könnt ihr euch ja sogar die Ausbildung sparen?) Bleibt zu Hause bei euren Kindern! Eure Männer können das sowieso nicht! Wenn das „die klassische Familie“ ist, dann bin ich froh, dass sie ein „Auslaufmodell“ ist.

Im Idealfall sollten Männer und Frauen, die Kinder erziehen, ganz nach ihren individuellen Wünschen und Gegebenheiten entscheiden können, wie sie ihr Leben einrichten – im Rahmen ihrer Vorstellung von Familie. Wenn ein Elternteil zu Hause bleiben möchte – warum nicht? Aber wenn beide arbeiten, heißt das noch lange nicht, dass es „Rabeneltern“ sind, die staatlichen Stellen die Erziehung überlassen.

Annette Hösterey, Berlin-Rudow

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